Die schwarze Sonne: 01: Das Schloss der Schlange

DIE SCHWARZE SONNE ist eine weitere hervorragende Serie von Lausch. Das erstaunliche daran ist, dass Produzent Günter Merlau scheinbar keinerlei Einschränkungen in seiner Kreativität hat und so ziemlich jedes Szenario glaubhaft und interessant schildern kann. Hier befinden wir uns im Jahr 1885, in England, mitten in einer Mysterie-Krimi-Geschichte. Übrigens ist das Hörspiel frei nach einem Roman von Bram Stoker erzählt.

Nach dem Tod seiner Eltern kehrt Adam Salton von einer Australienreise nach England zurück, wo er freundlich von seinem Onkel aufgenommen wird. Zusammen mit seinem Freund Nathaniel de Salis holen sie Adam vom Schiff ab, doch die unbeschwerte Unterhaltung findet ein jähes Ende, als Adam an einer alten okkulten Stätte einen Zusammenbruch hat, bei dem er einen Einblick in längst vergangene Geschehnisse erhält, die hier einstmals statt gefunden haben, bei denen ein alter Herrscher seine beiden Söhne an die Gottheit Baal opfert, um ewiges Leben zu erhalten…
Nur wenig später entdecken sie eine Leiche, die merkwürdige Spuren aufweist, die ein wenig nach einer überdimensional großen Bisswunde einer Giftschlange aussieht.

Als Adam bei einem Empfang die junge Mimi Watford kennen lernt, ist es Liebe auf den ersten Blick, doch das Gefühl der Glückseligkeit wird nur wenig später durch das Auftauchen von Edgar Caswell unterbrochen, der eine düstere Aura auszustrahlen scheint und zudem gierige Blicke auf Mimi wirft.

Es kommt zu einem weiteren Todesopfer im Moor, und bei den Bergungsarbeiten passiert etwas schreckliches, das auf einen Jahrhunderte alten Fluch in Derbyshire hindeutet. Adam und Nathaniel gehen der Sache nach und entdecken ein furchtbares Geheimnis…

Die schwarze Sonne ist gleichsam romantisch wie auch düster, sodass mir fast schon das Wort „Gothicnovelle“ auf der Zunge liegt. Eine okkulte Verschwörung ist natürlich eine grundsätzlich gute Ausgangssituation für ein spannendes Hörspiel, doch hier habe ich teilweise das Gefühl, dass man mit dem Auftakt der Serie fast schon zu viel Handlung in eine Folge gepackt hat. Entsprechend macht gerade der große Showdown von „Das Schloss der Schlange“ auf mich einen leicht überhasteten Eindruck.

Das schmälert das Hörvergnügen allerdings nur minimal, und es bleibt unterm Strich ein herausragendes Erlebnis, das in der gewählten Zeit wirklich eine treffsichere Kulisse findet.
Am Schluss werden wir als Hörer ein wenig im Ungewissen gelassen, nicht im Sinne eines Cliffhangers, sondern eher mit der Unsicherheit, ob die Geschichte an diesem Punkt überhaupt weitergeführt wird oder bereits vorbei ist.

Wem spannende Unterhaltung mit über einer Stunde Spielzeit, tollen Sprecher und guten Effekten sowie passender Musikuntermalung noch nicht genug sind, der wird sich zudem über ein mit viel Liebe zum Detail gestaltetes Booklet freuen, dessen größter Schwachpunkt überraschend die Covergestaltung darstellt (ich bin allerdings auch kein Freund von Farbfiltern, muss ich gestehen).

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