Interview: Hämatom

Hallo Hämatom, vielen Dank dafür, dass Ihr Euch die Zeit für ein Interview nehmt. Mein Name ist Matthias und ich bin Schreiberling für ein Online-Magazin (www.splitted.de). Alles, was Ihr jetzt sagt (beziehungsweise schreibt), kann und wird vorm Leser für oder gegen Euch verwendet werden. Los geht’s:

Zunächst mal herzlichen Glückwunsch zu WUT! Ich hatte das Gefühl, dass ihr weniger zu den aktuellen deutsch-sprachigen Metal-Bands passt (also die ganze Folkmetal-Reihe aussen vor gelassen, ich dachte jetzt eher an Acts wie Rammstein), als vielmehr zu früheren Bands wie Schweisser oder Accuser (um im deutschen Raum zu bleiben). Wo würdet ihr euch selbst einordnen?

Hallo erst mal. Ich bin SÜD, der Schlagzeuger von Hämatom. Natürlich fällt es immer schwer, sich selbst einzuordnen und jede Band, jeder Künstler entwickelt eigene Stilmittel und Möglichkeiten, seine Gefühle auszudrücken. Jeder Mensch ist ja auch anders. Klar ist jedoch, dass Rammstein eher abstrakte Bilder erschaffen, die meiner Meinung nach viel Interpretationsfreiraum zulassen. Bei uns wird es schon konkreter und direkter. Ich möchte uns jetzt nicht als politisch bezeichnen, dennoch steckt Sozialkritik in unseren Texten, die man zwar bei Rammstein bestimmt auch findet, aber nicht im Mittelpunkt steht. Den Schweisser – Vergleich habe ich auch schon oft gehört, finde selbst aber gar nicht so viele Parallelen. Dazu muss ich auch sagen, dass ich sie gar nicht so gut kenne. Ähnlichkeiten sind also rein zufällig.

Wollt ihr mit der Maskerade etwas Bestimmtes ausdrücken, einfach „inkognito“ bleiben, oder ist das eher eine optische Verbeugung vor Slipknot?

Mit dem Slipknotvergleich mussten wir rechnen, dennoch ist es keine Erfindung dieser von uns sehr geschätzten Band und sie haben die Idee auch nicht für sich gepachtet. Kiss hat nichts anderes gemacht und das war schon in den 70er-Jahren. Auch in anderen Musikrichtungen wird damit gespielt. Wir finden es einfach ein weiteres Stilmittel, die Musik in den Vordergrund treten zu lassen, weg von unserem bürgerlichen Leben und Hämatom einen ganzheitlichen Anstrich zu verleiten, der über das Hören hinausgeht. Wenn wir die Masken vor dem Auftritt überziehen und dann die Bühne betreten, fällt es uns allen leichter, den Alltag hinter uns zu lassen und uns voll und ganz der Live-Performance zu widmen. Das finde ich super und hatte ich in dieser Form bei keiner anderen Band bis jetzt. Weiter unterscheiden wir uns von vielen Bands visuell bei zum Beispiel Festivals. Dort beherrscht ja oft das Einheitsaussehen aus schwarzem Metalshirt und schwarzer Hose das Bild der Musiker auf der Bühne. Da macht es natürlich Spaß sich etwas durch seine Optik abzuheben.

Was bezweckt ihr mit den Künstlernamen Nord, Süd, Ost und West? Ebenfalls Teil des Gesamtpaketes „Hämatom“, oder auch mit bestimmter Absicht dahinter?

Es ist wie Du schon sagst ein Teil des Gesamtpaketes Hämatom. Eben der Anspruch nicht nur für die Ohren etwas dem Zuschauer zu bieten. Dass wir dabei auf diese vier Pseudonyme kamen war ein Zufall. Der Gitarrist Ost kommt eben aus Polen und hatte die Idee und sich eben dann gleich diese Himmelsrichtung geschnappt. Unser Autoverliebter Bassist musste dann der West werden, da es bei keinem so passte, wie bei ihm. Und Zwischen Sänger und mir wurden dann eben die anderen beiden Himmelsrichtungen aufgeteilt.
Es hätte keinen Sinn ergeben sich maskiert und dann mit bürgerlichen Namen zu zeigen.

Wird es 2008 eine Hämatom-als-Headliner-Tour geben? Wenn ja, wann und wo plant ihr, unterwegs zu sein?

Wir werden jetzt erst mal im Februar eine Tour mit Eisregen in Deutschland spielen. Im März kommt noch ein Konzert mit Ektomorf und dann buchen wir gerade Festivals für den Sommer. Weiter sind wir noch nicht. Es schaut aber eher nach einzelnen Shows für Hämatom im Herbst aus, und nicht nach einer kompletten Tour. Diese würde dann als Support stattfinden. Darüber kann ich aber konkret noch nichts sagen.

Soviel hierzu, nun die Pflichtübung: zehn Fragen, die in meiner Interviewreihe immer die selben sind: Kreuzfeuer.

Zu Hause:
01.)
Wie schreibt ihr eure Songs? Hat irgendwer die Initialidee, oder kommt das ganze eher aus dem Spielen heraus, oder doch ganz anders?

Wir schreiben Musik und Text zusammen. Neben den vier Bandmitgliedern gibt es noch zwei weitere Involvierte, die sich um Produktion und Artwork bei Hämatom kümmern, aber auch an den Songs mitschreiben. Für unser Album WUT waren wir zweimal in Ferienhäuser einquartiert ohne Internet und Telefon und haben musiziert. Das war eine sehr intensive Zeit, in der der Grundstock für das Album entwickelt wurde. Teilweise wird mit der Musik, teilweise mit den Lyrics begonnen. Manchmal hat ein Bandmitglied schon einen Rohtext, manchmal fangen wir aber alle zusammen bei Null an und schreiben vom ersten Wort oder Riff an zusammen. Natürlich ist das dann nicht immer unanstrengend: Sechs Köpfe – Sechs Meinungen.

02.)
Was tut ihr neben Musik machen in Eurer Freizeit noch so?

Ganz ehrlich bleibt uns wenig Zeit, um richtig Freizeit zu genießen. Ich häng noch viel im Internet rum, dabei wird Relaxen mit Beruf vermengt. Und als Schlagzeuger muss ich mich körperlich fit halten durch Sport. Bassist West putzt sein Auto und Sänger Nord steht auf gutes Essen. Er ist ein Genießer, der dann auf Stroh gekochte Lende mit gutem Wein in einem Mehrgängemenü zu sich nimmt.

03.)
Ist Hämatom Beruf, Berufung, oder Hobby?
Derzeit ist Hämatom Berufung mit der Hoffnung Beruf zu werden. Hobby ist es auf keinen Fall.

Unterwegs:
04.)
Vegan, Straight, oder doch eher Sex, Drugs und Rock n Roll? Wie sieht euer perfektes Catering aus?

Wodka, Zigaretten und Party, Party, Party. Ab der ersten Show: totaler Schlafentzug bis zum letzten Tourtag. Vegan und Straight funktioniert mit dieser Combo gar nicht. Leider spiegelt es sich auf manchen Konzerten auch in unserer spielerischer Leistung wieder. Die After-Show-Party ist aber dann wieder der Wahnsinn.

05.)
Wenn ihr es aussuchen könntet, wer wäre auf euerer Headliner/Support-Tour die favorisierte Support/Headliner-Band?

Die apokalyptischen Reiter zu supporten war wahnsinnig geil in jeder Hinsicht. Auch JBO und Knorkator sind super. Gerne würde ich mal mit Slipknot oder Slayer touren. Das wär unglaublich.

06.)
Was war das bisher größte Tour/Live-Erlebnis, das Euch passiert ist?

Die Aftershowparty in Hannover auf der „Riders on the Storm“ Tour 2006 mit den Apokalyptischen Reitern und Tyr war das lustigste, was ich seit langem erlebt habe. Der Bassist von Tyr ist unter anderem zur Hochform aufgelaufen, dass wir alle irgendwann nicht mehr lachen konnten, weil es nur noch weh tat. Die ganze Tour war ein großes Highlight für Hämatom.

Merkwürdiges:
07.)
Ihr seid auf einer einsamen Insel gestrandet, und euer iPod ist kaputt. Er spielt nur noch einen (nicht-eigenen) Song ab. Welchen?

Ich kann jetzt nur für mich sprechen: Derzeit wäre es für mich „Liberate“ von Slipknot.

08.)
Wenn ihr als Band noch mal komplett von vorne anfangen könntet, w

as würdet ihr anders machen?

Weniger diskutieren, weniger labern, mehr machen und es gab in den ersten Monaten unserer Bandgründung eine Phase, da versuchten wir nicht die zu sein, die wir sind. Das macht keinen Sinn. Entweder es merkt die Außenwelt, dann finden sie es Scheiße oder du hast Erfolg damit, dann bekommst du aber auch gleichzeitig ein Problem, da du dauerhaft in einen ungewollten Zustand gezwungen wirst.

09.)
Wie viel bedeutet euch das, was ihr tut? Wo liegen die Grenzen?

Wir stecken sehr viel Herzblut und Zeit in das Ganze, das merkt man erst wenn Leute die eigene Arbeit kritisieren, was natürlich jedermanns Recht ist. Moralische Grenzen werden nicht überschritten. Wir würden keine Freunde hängen lassen, unsympathischen Menschen in den Arsch kriechen oder ähnliches, nur um auf der Erfolgstreppe höher zu kommen. Da sind wir alle sehr bodenständig und wissen Werte, wie Freundschaft sehr zu schätzen.
Und uns bedeutet Musizieren sehr viel und sind uns im klaren darüber, dass es ein Privileg in unserer Wohlstandsgesellschaft ist. Es gibt Länder, da hat man mit lebensbedrohlichen Problemen zu kämpfen und nicht diese Möglichkeiten wie hier. Musik machen ist ein Luxus!

Die alles entscheidende Frage:
10.) Wenn es eine Frage gäbe, die ihr schon immer gestellt bekommen haben wolltet, die aber niemals gefragt wurde, wie würde sie lauten und was wäre die Antwort?

Leider fällt mir da gerade keine ein, auch wenn das jetzt etwas langweilig erscheint, sorry.

Vielen Dank und für die Zukunft natürlich alles Gute!

Danke auch, der SÜD.

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