Edgar Allan Poe: 32: William Wilson

“Ich kehrte zu meinem sterbenden Gegenspieler zurück, aber welche menschliche Sprache kann das Erstaunen und das Grauen beschreiben, das mich nun bei diesem Anblick befiel?”
Erneut starten wir mit einem Originalzitat, eben jenem, mit dem auch Teil 32 der Reihe beginnt.

Produktionsseitig ist bei EDGAR ALLAN POE alles in trockenen Tüchern. Die Stammsprecher sind unglaublich gut, die Nebenrollen werden immer mit Leuten besetzt, die in dem zu spielenden Charakter mehr oder weniger perfekt aufgehen, die eingesetzten Geräusche sind stimmig, aber nicht zu überladen, und die Musik, die jeweils die Szenen begleitet, unterstreicht die Spannung wie eh und je. Wenn das Produktionsteam hier nicht in irgendeinem der Punkte komplett vom Kurs abweicht, dann steht und fällt die Reihe lediglich mit den Inhalten, die das Autorenteam zusammenschreibt, und auch da ist bislang noch kein Hänger in Aussicht gewesen. Weiter so. Bevor hier noch mehr Lobhudeleien erfolgen, widmen wir uns dem Inhalt der Folge ‚William Wilson’:

Mit mehr Glück als Verstand ist EDGAR ALLAN POE aus der Irrenanstalt auf Blackwells Island entkommen. Der Aufstand der Insassen, die die Betreuer überrumpelt und selbst die Führung der Anstalt übernommen hatten, konnte zu keinem besseren Zeitpunkt kommen, ebenso wie die Befreiung der tatsächlichen Wärter, auch wenn Poe hierdurch beinahe mit dem Leben bezahlt hätte.
Er sucht nun Unterschlupf bei dem Wirt Rick Allis, der ihn zwar nicht bei sich in der Gastwirtschaft unterbringen kann (denn dafür hat er zu viele andere Besucher, die misstrauisch werden könnten), ihm dafür aber eine Unterkunft in einer alten Gruft ermöglicht. Zudem erhält Poe von Allis ein altes Buch mit Geschichten von ihm. Und hierbei fällt es Poe wie Schuppen von den Augen: sein alter Verleger müsste ihn doch eigentlich identifizieren können und somit den Beweis erbringen, dass er tatsächlich Edgar Allan Poe ist und nicht, wie alle denken, tot in seinem Grab liegt.
Griswold, der einst Poes Geschichte nicht glauben wollte, ist derzeit bei Allis wohnhaft, und hört unbeabsichtigt Poes Geschichte erneut, was ihn diesmal, wie er verkündet, dazu bringt, ihm Glauben zu schenken. Er will sich um einen Termin mit dem Verleger Graham bemühen, da er mit diesem befreundet sei.

Bei seinem ersten Besuch im Verlag ist Graham nicht anwesend, jedoch trifft Poe auf seinen alten Lektor Mr. White, der ihn anhand eines Schattenschnitts wieder erkennt. Poe ist überglücklich und kann kaum erwarten, am Folgetag auf Graham zu treffen, der ihn dann als Leumundszeuge identifizieren wird…

Wie eigentlich immer in der Reihe um EDGAR ALLAN POE, kommt mal wieder etwas Unerwartetes dazwischen, und die Geschehnisse nehmen einen völlig anderen Verlauf, als es der Protagonist erwartet bzw. erhofft hätte. Die Intensität, mit der Ulrich Pleitgen das Wechselbad der Gefühle ein weiteres Mal in Szene setzt, ist unbeschreiblich und mit einer der Hauptgründe, warum die Reihe EDGAR ALLAN POE verdient zu dem Besten zählt, was es derzeit als Hörspiele gibt. Wer es sich nicht schon selbst gedacht hat: neue Hintergrundinformationen zu Leonie erhalten wir diesmal nicht, jedoch verspricht das Staffelfinale ‚Morella’ ein Wiedersehen der beiden.

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