Puffball

„Es gibt Orte, an denen die alten Geister nie verschwinden.“ Mit dieser reißerischen Zeile ist der Film PUFFBALL untertitelt. Cover und Klappentext des Films deuten auf eine gruselige Fantasy-Geschichte hin, die irgendwo zwischen Realität und Geisterwelt umherschwirrt. Entsprechend eingestimmt nehme ich mir die Fernbedienung in die Hand und mache mich auf einen geruhsamen Fernsehabend gefasst.

Leider schafft es der Film nicht einmal ansatzweise, die an ihn gestellten Erwartungen zu erfüllen. Fangen wir also mit dem Namedropping an und erklären daraus, wo die Erwartungen herkommen. Als Regisseur hat Nicolas Roeg fungiert. Nach zwölf Jahren kreativer Schaffenspause will der Kultregisseur an seine Erfolge wie ‚Wenn die Gondeln Trauer tragen’ oder ‚Hexen hexen’ anknüpfen. Ebenfalls nur als Namedropping kann der Auftritt von Donald Sutherland gedeutet werden, die Rolle, die ihm zugemessen wird, ist nicht nur extrem kurz, sondern auch extrem überflüssig. Hier hätte man die Handlung kürzen können, ohne auch nur ein bisschen Hintergrund zu verlieren, von Gagenausgaben ganz zu schweigen.

Am schlimmsten dürfte aber wohl sein, dass dieser als Mystery-Thriller unters Volk gejagte Film eher ein Kuckucksei ist. Unter dem Deckmantel „Mystery“ lässt sich nämlich deutlich besser verkaufen, als würde man „Softcore-Kopulationsfilm mit Gruselanleihen“ draufschreiben. Und als solches stellt sich die Handlung leider heraus.

Die Architektin Liffey (Kelly Reilly) und ihr Freund Richard (Oscar Pearce) haben im irischen Hinterland einen einsamen Bauernhof gekauft, den sie gemeinsam wieder aufbauen wollen. Die einzigen Nachbarn in der Gegend sind die Tuckers. Liffey wird kurze Zeit später schwanger, nachdem sie auf einer Kultstätte in der Umgebung mit ihrem Freund Verkehr hatte. Die Tuckers, allesamt irgendwie nicht mehr ganz beisammen, warten sehnsüchtig auf männlichen Nachwuchs bei Mabs Tucker, die allerdings laut Auskunft der Ärzte zu alt sei, um noch Kinder zu bekommen. Ihre Mutter betreibt nun Voodoo, um Liffey das Kind zu rauben, denn, so denken die Tuckers, das Kind gehört eigentlich ihnen.
Kurz darauf muss Richard geschäftlich weg, Liffey hat eine Fehlgeburt, doch die Tuckers haben noch nicht aufgegeben. Mabs Mann wird mit gehörig Alkohol zu Liffey geschickt, die beiden betrinken sich, um sich anschließend irgendwie gegenseitig zu vergewaltigen.
Bei der nächsten frauenärztlichen Untersuchung stellt sich heraus, dass Liffey immer noch schwanger ist. Ursprünglich muss es sich also um Zwillinge gehandelt haben, von denen einer überlebt hat. Die Tuckers denken natürlich, sie wäre jetzt von ihrem Stammhalter schwanger…

Der gesamte Voodoo- und Okkultismushintergrund des Films ist derart an den Haaren herbeigezogen, dass es einen tatsächlich gruselt. Warum die Tuckers nun unbedingt einen Sohn haben wollen, lässt sich nur vermuten. Es scheint, als hätte Grandma Tucker in der Vergangenheit versehentlich den Bauernhof angezündet, in dem nun Liffey einziehen will, und dabei ihren Sohn verbrannt. Nun soll ihre Tochter das Unglück wieder richten. Die gesamte Geschichte wirkt konstruiert, bietet eigentlich nur Handlung für knapp zwanzig Minuten Film, der Rest wird mit Hokuspokus, Geschlechtsverkehr und ganz netten Landschaftsaufnahmen bis zur Unerträglichkeit gestreckt.

Wer auf seichte Erotik in Kombination mit Mystery-Thriller steht, der kann hier gerne mal einen Blick riskieren, wer auf den Mystery-Teil aber gerne verzichtet und statt dessen lieber eine glaubwürdige Handlung und bessere schauspielerische Leistung haben will, der sollte sich dann doch eher „Wer Gewalt säht“ anschauen…

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