Holocaust – Die Geschichte der Familie Weiss

Auch, wenn das offizielle Releasedatum dieser DVD-Fassung des Fernseh-Mehrteilers HOLOCAUST schon ein paar Tage länger her ist, als mir lieb ist, und die Aktualität des Themas entsprechend schon ein wenig gelitten hat, bin ich mir doch sicher, dass ich alles richtig gemacht habe, als ich mich dazu entschieden habe, mir diesen Film erst dann anzuschauen, wenn ich mich dazu eingestimmt fühle. Lest selbst.

Fangen wir mit ein paar nüchternen Fakten an: Die TV-Serie, die als Vierteiler mit einer Spielzeit von insgesamt 415 Minuten nichts für mal eben zwischendurch ist, wurde mit 8 Emmy-Awards sowie zwei Golden Globes ausgezeichnet. Unter anderem zu sehen sind die Oscar-Preisträgerin Meryl Streep (damals noch sehr jung) sowie James Woods, Michael Moriarty, David Warner, Ian Holm, … Die Liste von hochkarätigen Schauspielern könnte hier noch ewig fortgesetzt werden, und auch die weniger bekannten Gesichter überzeugen durch glaubwürdiges Charakterspiel.
Erwartungsgemäß sind Bild und Ton nur von mittelmäßiger Qualität, schließlich stammt die Serie aus dem Jahr 1978. Nichtsdestotrotz findet sich zumindest kein störendes Rauschen im Bild, die Mono-Tonspur ist durchweg klar und verständlich. Viel entscheidender ist allerdings: wer hier auf Bild- und Tonqualität achtet, statt auf den Inhalt, dem ist sowieso nicht mehr zu helfen.

Inhaltlich wird, wie der Titel schon verrät, die Geschichte der (fiktiven) Familie Weiss zur Zeit des Holocaust erzählt. Eine jüdische Familie, mitten in Berlin, eigentlich von allen angesehen (Familienoberhaupt Josef Weiss ist Arzt, seine Frau Berta Lehrerin, der älteste Sohn Karl hat unlängst geheiratet), muss am eigenen Leib erfahren, wie die politische Situation mit jedem verstreichenden Tag schwieriger für sie wird, angefangen bei Einschränkungen der Berufsausübung, gefolgt von Zwangsenteignung, Deportation bis hin zur Zwangsarbeit in Straflagern und Mord im Konzentrationslager. Auf weitere inhaltliche Aspekte will ich nicht eingehen, denn der geschichtliche Hintergrund des Holocaust sollte hinreichend bekannt sein.

HOLOCAUST ist kein Film im eigentlichen Sinn. Hier wartet kein Happy End auf euch, keine plötzliche Hollywood-Wendung, die alles zum Guten wendet. Vielmehr ist dies Geschichte als Film verpackt. Größtenteils ungeschönt, ohne in irgendeiner Form auf einen Spannungsbogen zu achten, sondern eben genau so, wie es sich sicherlich für viele Familien abgespielt hat, für die die Familie Weiss stellvertretend steht.

Wo ‚Schindlers Liste’ zwar schockierend war, aber irgendwie den Fokus darauf gesetzt hat, dass es eben doch noch einen Hoffnungsschimmer gab, zeigt HOLOCAUST die andere Seite der Medaille. Man denkt und hofft die ganze Zeit über, dass es irgendwie noch einen Ausweg gibt für die einzelnen Familienmitglieder, aber die geschichtliche Realität sieht nun einmal anders aus.

HOLOCAUST sollte man sich nur anschauen, wenn man sich stark genug fühlt, den Inhalt auch zu verkraften. Bislang konnte kein Film und keine Dokumentation, die ich gesehen habe, derart tief greifend die erschütternde Wahrheit der deutschen Geschichte von 1935-1945 zeigen, ohne dabei bewusst emotional oder eben sachlich zu werden. HOLOCAUST schafft genau diese Gratwanderung aus emotionaler Betrachtung und geschichtlich nüchterner Sachlichkeit und erwischt den Zuschauer mit dieser Mixtur eiskalt.

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