Traitor

Ganz schön harter Tobak, der uns hier von Regisseur Jeffrey Nachmanoff und Mitproduzenten Steve Martin (ja, genau der, den ihr jetzt gerade vor Augen habt, Komödiendarsteller etc.) vorgelegt wird. In TRAITOR dreht sich alles um Terrorismus und den Heiligen Krieg. In den Hauptrollen glänzen Don Cheadle (Ocean´s 13, L.A. Crash) und Guy Pearce (L.A. Confidential, Memento) durch hervorragendes Charakterspiel, dass den Schrecken der ständig explodierenden Bomben fast in den Hintergrund zu rücken vermag.

Samir Horn (Don Cheadle) ist ein ehemaliger US Sergeant und obendrein streng gläubiger Moslem. Schon in früher Kindheit stirbt sein Vater bei einem Bombenattentat. Umso überraschender ist es für den Zuschauer, dass Horn als Sprengstofflieferant und planender Geist in einer Terrorzelle im Nahen Osten aktiv ist. Er wird in Jemen geschnappt und landet im Gefängnis. Der FBI-Agent Roy Clayton und sein Partner vermuten, dass Samir Kontakte zum Terror-Netzwerk pflegt, können es ihm aber weder beweisen, noch ein Geständnis aus ihm locken.
Samir kann im Gefängnis Kontakte zu einer bedeutenderen Terrorzelle knüpfen, und als deren Oberhaupt durch Waffengewalt befreit wird, befreien sie auch Samir und bieten ihm einen Platz in ihrer Organisation an. Es zeigt sich, dass Samir als wahrer Gläubiger festen Willens ist, den Heiligen Krieg mit allen Mitteln zu unterstützen, und so setzt er einen Bombenanschlag in der Amerikanischen Botschaft in Frankreich in die Tat um, bei dem mehrere Personen ums Leben kommen.
Beflügelt von dem Erfolg, wird ein größeres Ziel angepeilt: 50 Busse quer über Amerika verteilt, die durch Selbstmordattentäter zum exakt gleichen Zeitpunkt in die Luft gesprengt werden sollen, um Angst und Schrecken unter der Bevölkerung zu verbreiten. Es sickern Informationen hierüber zum FBI durch, doch auch dort scheint es eine undichte Stelle zu geben, denn auch die Terroristen sind erstaunlich gut über den Kenntnisstand des FBI informiert. Wer ist wo die entscheidende Sicherheitslücke, und kann das FBI das geplante Attentat verhindern und die Drahtzieher festsetzen?

Absolut geschickt verschleiert das Produktionsteam, wer nun tatsächlich auf welcher Seite steht, wo die undichten Stellen sind und was genau Samir beschäftigt. Mehr als die Hälfte des Films merkt man, dass ihn Zweifel an seiner Arbeit als Terrorhelfer befallen, aber ob nun aus Mitleid oder tatsächlich aus den genannten Gründen (z.B., dass nur acht Leute in der Botschaft sterben), ist nicht hundertprozentig sicher. Es wird erst relativ spät klar, auf welcher Seite er denn nun tatsächlich steht. Dass das FBI mehr oder weniger hilflos in Indizien herumstochert und regelmäßig von anderen Behörden erst zu einem viel zu späten Zeitpunkt Informationen weitergereicht bekommt, ist sicherlich absichtlich schon fast grotesk in den Vordergrund gestellt worden, ebenso wie das „guter Cop, böser Cop“-Prinzip bei der Befragung von Samir. Um die Spannung nicht herauszunehmen, gehen wir nicht weiter auf den Inhalt ein.

Rein technisch ist die DVD durchaus sehenswert, ein klares Bild mit satten Explosionseffekten und ordentlich Rumms im Sound sorgt für spannende Heimkinounterhaltung. Allerdings ist es erneut eher der Plot, der für die Unterhaltung sorgt, denn abgesehen von den Detonationen und den tollen Aussenaufnahmen an Originalschauplätzen ist es in erster Linie das Charakterspiel und die Zeichnung der Figuren, die diesen Film zu etwas besonderem machen. Wer gerne Filme sieht, in denen bis zum Ende alles offen ist und die mit vielfachen Wendungen des Geschehens aufwarten, der ist bei TRAITOR ganz genau richtig und kann bedenkenlos zugreifen.

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