Capricorns – River, Bear Your Bones

Als ich erfahren habe, dass hinter Rise above records Lee Dorian von Cathedral steckt, habe ich Angstschweißausbrüche bekommen. Die Band mag seiner Zeit recht erfolgreich gewesen sein, aber mir sind nur zu gut die gruseligen Vocalausbrüche des Fronters in Erinnerung geblieben (Grusel-Anspieltipp: Midnight Mountain). Entsprechend vorsichtig gespannt war ich in Bezug auf die Doomband CAPRICORNS.
Nach ein paar Minuten bin ich mir sicher: es droht keine Gefahr mehr, und ein anschließender Blick in die Bandinfo bestätigt, dass es sich um eine Instrumentalband handelt. In Bezug auf merkwürdige Betonungen beim Text kann ich mich also entspannt zurücklehnen und mich voll und ganz auf die Musik konzentrieren. Leicht wabernde Gitarrenwände, gefällige Melodien, rockig bis dreckig, mal wie aus den frühen Siebzigern, dann wieder modern. CAPRICORNS vereinen recht viele Ideen an der Gitarre, die alle ein wenig Revoluzer-mäßig daherkommen und somit ihren ganz eigenen Charme haben.
Die dreiköpfige Combo schafft es auch völlig ohne Gesang, großes Kopfkino zu erzeugen. Das Riffing ist mal vertrackt und widerspenstig, um dann im nächsten Moment geradeaus zu preschen. Und auch, was das Tempo betrifft, fühlt sich das Trio so ziemlich in jedem Beat und in jeder Time zu Hause. Stilistisch bleiben die Herren nicht nur im Doom, sondern machen auch deutliche Schlenker in Richtung Stonerrock, Psychedelic oder einfach nur Hardrock.
Eigentlich ist es schade, denn obwohl die Band sich durch die Entscheidung, ohne Gesang auszukommen, deutlich von anderen absetzen kann, ist genau dies der springende Punkt auf dem Album: auf Dauer wäre es schon schön, auch mal eine Stimme zu hören. So interessant Instrumentalmusik auch sein kann, lange geht das in der Regel nicht gut (wobei es natürlich auch hier richtige Ausnahmetalente gibt, man denke nur an die unlängst rezensierte CD ‚Reverie’ von Daturah). Hätte man sich auch nur auf wenige Wortfetzen pro Song als Kompromisslösung einlassen können, so hätte dies das Album ungemein aufgelockert und dadurch auch aufgewertet. So beschleicht einen mit der Zeit allerdings das Gefühl, es mit einer noch nicht fertig aufgenommenen Vorabversion einer CD zu tun zu haben, die noch nach einem Sänger schreit, um vollendet zu werden. Dafür sind die Songs aber richtig klasse!

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