Comeback Kid – Broadcasting…

Die kanadischen Hardcorehelden sind zurück in der Manege. Der Sänger ist raus, der Gitarrist macht auf der Bühne einen Schritt zur Seite und steht nun am Mikro. Was andere Bands wohl aus der Bahn geworfen hätte ist für COMEBACK KID mehr als ein bloßer LineUp-Wechsel, denn mit „Broadcasting…“ releasen sie jetzt eine CD, über die schon mancher sagt, dass sie die beste, besser als „Wake the dead“ sei. Was so einiges zu heißen hat, denn eben diesem Album haben sie 2005 einen Aufschrei in der Szene zu verdanken. COMEBACK KID sind seitdem so etwas wie everybody’s darling im Hardcorezirkus. 2007 sind sie mit einer Hand in die Luft gestreckt, Singsalongs mitgrölend und beiden Beinen auf dem Gaspedal zurück. Der Zuhörer wird wieder nach Strich und Faden angebrüllt und ist beinahe gezwungen mitzumachen. An Hocks und Hymnen mangelt es auf „Broadcasting…“ keines Falls. Schon beim Hören hat man die Konzertgänger vor Augen, wie sie vor der Bühne eng gedrängt die Fäuste gen Himmel recken und sich die Kehle aus dem Hals schreien. Apropos: die neue Stimme COMEBACK KIDs ist so ehrlich wie kaum eine in diesem Genre. Andrew Neufeld scheint wirklich eine Menge Ärger in sich zu tragen, anders ist nicht zu erklären, wie jemand so authentisch Aggression via Musik herüberbringen kann. Imm wieder hört man ihn auch kurzzeitig clean singen („Broadcasting…“), wobei seine Stimme auch in der Lage kratzig und verärgert klingt.Die Gitarren sind melodisch, eingängig, aber auch böse, vor allem aber eins: schnell! Beinahe hätte ich an mancher Stelle („In Case Of Fire“) an das Wort Motorradriff gedacht. Ein Schlagzeug, welches treibender kaum sein kann (zB. „The Blackstone“), unterstützt und bringt das Ganze noch weiter nach vorn. Mit jeder Menge filigraner Melodieführungen schaffen es COMEBACK KID Hardcore zu sein, hardcore zu klingen, ohne auf stumpfes Moshfeuer zu setzen. Langweilige Ramtamtam-Riffs sind Fehlanzeige, zum Glück, denn so heben sie sich wieder einmal von der Masse der Hardcorebands ab. Die Oldschoolanleihen und Seitenhieben des Punkrock sind nicht zu verkennen und bringen Schwung in die Geschichte. Über den Sound einer Vicoty-Platte braucht man eigentlich kaum ein Wort verlieren, es wird einfach nur dickes auf den Markt gebracht, aber dieser Sound ist irgendwie dicker als der Durchschnitt (der auch auf verdammt hohem Niveau kracht). Alles kommt durch, das ist klar, aber wie es durchkommt, so druckvoll, ist doch sehr begeisternd.Wer COMEBACK KID bisher nicht mochte, wird an dieser Veröffentlichung vermutlich keinen Spaß haben. Wer sich nicht darauf einlässt und der Platte die einigen Umdrehungen gewährt, die sie braucht um im Ohr zu bleiben, wird sie nach dem ersten Hören wegstellen, denn anfangs klingt es alles sehr ähnlich. Fans werden „Broadcasting…“ mit hoher Wahrscheinlichkeit abfeiern und auch die nächste Tour der Band wird ausverkauft sein, davon bin ich überzeugt.

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