Flowing Tears – Thy Kingdom Gone

Die saarländischen Gothicrocker von FLOWING TEARS melden sich nach langer Studioabstinenz endlich wieder zurück. Auf ihrem letzten Album ‚Invanity – Live in Berlin’ zeigten sie sich noch experimentell und eher seicht, mit halbakustischem Set, doch auf ‚Thy Kingdom Gone’ soll nun alles anders werden. Wie viel härter die Scheibe nun wirklich geworden ist, erfahrt ihr hier.
FLOWING TEARS machen auf ihrem sechsten Studioalbum nichts verkehrt, allerdings auch nicht alles richtig. Mit extrem gefälligen, fast schon anbiedernden Gothicrock-Songs bereiten sie dem Zuhörer eine nette Stunde Musik, die jedoch teilweise eher ungefährlich und belanglos an einem vorbeizieht, ohne großartig zu stören. Dabei sind die Songs eigentlich gut, bloß halt zu glatt, zu vorhersehbar, mit zu wenigen Höhepunkten und zu vielen Ruhepolen. Da kommt bei aller Atmosphäre, die die Band aufbaut, kaum Stimmung auf, denn das, was es auf die Lauscher gibt, wirkt so, als ob sich FLOWING TEARS kontinuierlich gezügelt hätten und die Lieder mit angezogener Handbremse durchbringen würden.
Klare Ausnahme und somit bester Song des Albums ist das Titelstück ‚Thy Kingdom Gone’, allerdings kann dies auch daran liegen, dass hier ein wenig Abwechslung im Gesang ertönt. Als Gastmusiker hat man sich Vorph von der Schweizer Darkmetal-Combo Samael eingeladen, der hier kräftig Gas gibt und die ganze Nummer mit Leben erfüllt. Fast schon tragisch, wenn man bedenkt, dass die anderen Lieder eigentlich gleiches Potential hätten, aber dieses nicht genutzt wird.
Die Aufnahme von ‚Thy Kingdom Gone’ ist kräftig und breit gefächert, dank vieler Keyboardteppiche und brettharten, meist nur simple Akkorde schruppende Gitarren erschallen die Songs wie eine dicke Wand, die auf einen drauf fällt. Der solide Gesang und das spielerische Talent der restlichen Musiker sorgen dafür, dass bei aller Produktionsdichte die Instrumente und Gesangslinien trotzdem gut strukturiert erschallen.
FLOWING TEARS könnten einen guten Schritt weiter sein, wenn sie sich trauen würden, auch mal nicht massenkompatibel zu sein, sich nicht dem allgemeinen Wunschdenken unterzuordnen und einfach mal loszupreschen, wie es ihnen gerade passt. So klingen die Lieder aber alle wie in eine von vornherein vorgegebene Form gepresst. Da wäre mehr drin gewesen.

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