Good Riddance – Remain In Memory: The Final Show

Ein Original geht. Besser gesagt: es ist längst gegangen. Am 27.05.2007 spielten GOOD RIDDANCE in ihrer Heimatstadt Santa Cruz ihr letztes Konzert. Der nun vorliegende Mitschnitt, der mit 31 Songs die Ausmaße eines Best Of annimmt, ist insofern eine Stimme aus einer längst vergangenen Epoche.

Meine erste Begegnung mit GR hatte ich ca. 1994, als ihr Song „United Cigar“ auf dem allerersten Fat-Wreck-Sampler „Fat Music For Fat People“ zu finden war. 1995 erschien ihr erstes Album „For God And Country“ und seitdem wurde jeweils nach Erscheinen jedes einzelne Output der Kalifornier in meine Sammlung assimiliert. Zugegeben, zu meinen absoluten Helden aus den Häusern Fat Wreck/Epitaph – die Welt war damals recht überschaubar – gehörten GOOD RIDDANCE nie. Bands wie BAD RELIGION, NOFX, STRUNG OUT, NO USE, RANCID LAGWAGON und PENNYWISE waren und sind meiner Meinung nach stärkere Vertreter jenes Genres, welches Mitte der Neunziger seine Hochzeit hatte. Eine Zeit, an die manch einer jenseits der 25 gerne zurückdenkt.

Prinzipiell verfuhren GR wie ihre Brüder im Geiste: Album, Tour und wieder von vorne. Das ganze jeweils im Zweijahresrhythmus. Insofern kommen die Jungs um Sänger Russ Rankin – mittlerweile Shouter bei ONLY CRIME mit Bill Stevenson (DESCENDENTS, ALL, BLACK FLAG, Produzent zahlreicher Punkrock-Scheiben) am Schlagzeug – auf sechs Studioalben, eine EP und mehrere kleinere Veröffentlichungen. Während dieser Zeit wurde der Globus ordentlich betourt, quer durch die Staaten, Europa, Japan, Australien. Man war mit AFI unterwegs und mit NO USE, ebenso mit DOWN BY LAW und SICK OF IT ALL. Hier zeigen sich die zwei Seiten der Band: Punk UND Hardcore. Seit dem zweiten Release „A Comprehensive Guide To Modern Rebellion“ wurden die sozialkritischen Punkrock-Nummern – GR unterstützten immer Organisationen wie P.E.T.A. oder FOOD NOT BOMBS – von einigen Hardcore-Anfällen durchbrochen. Nicht immer zu meinem Gefallen. Auf den Alben „Operation Phoenix“ und „Bound By Tides Of Blood And Affection“ nahmen diese sogar einen großen Teil ein.

Die vorliegende Live-Scheibe kommt im guten Soundgewand daher. Aufgenommen mit dem Equipment aus den legendären Motor Studios und gemischt im nicht weniger sagenumwobenen Blasting Room sind die Instrumente klar voneinander zu trennen, der Gesang steht leicht im Vordergrund. Allein die Gitarren hätten etwas druckvoller ausfallen können. Jedoch hat dieser Kritikpunkt auch seinen Ursprung darin, dass man mit Luke Pabich lediglich einen Gitarristen in der Band beschäftigt. Egal. Voller Spielfreude rocken die vier Herren durch ihr ausgiebiges Repertoire ohne am Ende schlapp zu machen. Dennoch hätte ich das Ganze lieber als DVD gehabt, da ich – von einigen Ausnahmen abgesehen – kein Fan von Live-CDs bin und die Studio-Aufnahmen vorziehe. Denn auf DVD hätte man auch begutachten können, ob der immer etwas griesgrämig dreinschauende Russ Rankin auch bei seinem letzten Auftritt mit GR zum Lachen in den Keller gegangen ist…so von mir bei mehreren GR-Shows in Deutschland beobachtet.

Unterm Strich ein würdiger Abgang einer guten Hardcorepunk-Kapelle, die man vermissen wird. Für Neueinsteiger sei jedoch empfohlen, sich die Studioalben anzuschaffen, etwa meine Favoriten „Ballads Of The Revolution“ oder „Symptoms Of A Levelling Spirit“.

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