Palehorse – Amongst The Flock

Es bedarf nicht viel, um ein wütend klingendes Hardcore-Album zu schreiben. Die Hauptbestandteile sind in erster Linie ein angezerrter Sänger, der nicht grunzt oder brüllt, sondern eher vor sich hin schimpft (mag gemein klingen, aber unter Schreigesang verstehe ich anderes), ein paar nicht unbedingt neu klingende Riffs, die man sich von Bands wie Integrity, Strife oder Merauder klaut, ein halbwegs vernünftiges Studio, um der ganzen Geschichte den passenden Klang zu geben: fertig! Naja, ganz so einfach ist es im Endeffekt doch nicht, aber die Grundzüge sollten passen. Ganz wichtig ist natürlich noch die Botschaft in den Texten, die so vorgeschimpft werden. So oder so ähnlich haben es PALEHORSE aus Connecticut getan, und mit Bridge Nine haben sie obendrein ein Label gefunden, was in der Szene durchaus ein Begriff ist.
Wie vielleicht schon zu erkennen ist, lässt sich PALEHORSE durch keinerlei Trends beeinflussen. Unbeeindruckt von den gängigen Klischees, traut sich diese Band auf Pfade, die schon seit langem bestehen und eigentlich auch schon, mit Verlaub, recht ausgetreten sind. Oldschool steht auf der Fahne, ein wenig Metal wird dazugemischt, um etwas zeitgemäßer zu wirken, aber grundsätzlich klingt die Scheibe eher nach 1990 als nach 2007. Was sicherlich eine nicht unerhebliche Menge an Leuten in der Szene freuen wird. Und ganz unrecht haben diese Leute nicht, denn die 10 Songs (und das Intro) haben es durchaus in sich. Kurz, bündig, und immer voll auf die zwölf geht es auf ‚Amongst The Flock’, man hält sich nicht mit komplizierten Songstrukturen auf, sondern konzentriert sich auf das Wesentliche, gelegentlich garniert mit einem kurzen (und auch nicht wirklich spektakulären) Gitarrensolo.
Aber Oldschool-Hardcore ist schon immer eher Musik fürs Herz und nicht Musik fürs Ohr gewesen. Es geht nicht darum, den perfekten Song zu schreiben, die perfekte Melodie in die Lieder einzubauen oder einen perfekten Moshpart: Oldschool will Emotionen zum Kochen bringen, will Passion anreizen, und mit klaren Statements auf Missstände in der heutigen Gesellschaft hinweisen. Und davon gibt es bei PALEHORSE jede Menge, was in diese Kerben haut. Deswegen kneifen wir an dieser Stelle beide Augen in Bezug auf Songwriting, Ideenreichtum, Individualität und spielerische Raffinesse zu.
Das Album rockt, überzeugt durch ein cooles silber-schwarzes Cover, mitreißende Lyrics und eine recht dicke, wenn auch etwas roh klingende Produktion. Wer mit Oldschool nichts anzufangen weiß, ist hier aber ganz schlecht mit beraten, alle anderen und die, die sich darunter nichts vorstellen können, haben auf Myspace die Möglichkeit, sich einen Einblick in „Amongst The Flock“ zu verschaffen, auch wenn mit „33 Degree“ nur ein Song vom Album selbst vertreten ist: die anderen drei Songs sind in neuer Aufnahme ebenfalls auf der CD zu finden.

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