The Very Job Agency – The Very Job Agency

The very job agency kommen aus Leibzig und Braunschweig. Nach zwei Demos und einer Split-CD-Veröffentlichung liegt nun das offizielle erste Full-Length-Album der Jungs vor, falls man das so nennen darf: von den 10 Tracks auf dem Album sind gerade mal 5 Stücke noch nicht auf den Vorgängerscheiben erschienen, eins davon ist ein Instrumental, und mit einer Gesamtspielzeit von etwas über 36 Minuten liegt man bei 10 Songs auch nicht sehr weit vorne. Nichtsdestotrotz weiß die CD mit ihrer Farbgestaltung zu überzeugen: nachdem man den Blick von den Splitted-freundlichen CD-und Coverdesigns reißen konnte, wird es Zeit, sich der Musik und den Texten zu widmen. Was schon beim ersten Durchlauf auffällt: TVJA sind sehr sprunghaft. Mal heltischer Collegerock, mal Skapunk, dann wieder Punkrock. Erst melodisch, dann disharmonisch, von schnell über langsam, deutsche Texte, englische Texte, wie es ihnen gerade in den Sinn kommt. Apropos gerade: damit haben sie es leider bei der Aufnahme weder bei den Gitarren noch beim Gesang allzu genau genommen, was sehr sehr schade ist, denn obwohl die Aufnahme an sich sehr mittenlastig ist, geht der Sound absolut in Ordnung, wenn nur nicht immer wieder diese (unbeabsichtigt) schiefen Töne wären. Auch in der Instrumentierung überrascht die Kapelle stellenweise durch Einsatz von Keyboards & Synthesizern. Sowohl die deutschen als auch die englischen Texte deuten an, dass an TVJA nicht gerade Poeten verloren gegangen sind, sie wissen sich aber klar auszudrücken, und Reimen können sie auch. Selbstverständlich ist es immer schwieriger, in der eigenen Sprache vernünftige Texte zu schreiben, die nicht kitschig oder abgedroschen klingen, aber bei TVJA liegt das textliche Niveau von deutschen und englischen Stücken etwa gleichmäßig im Mittelmaß.
Wo sie bei den hektischen Funpunk-Stücken (Schmerzmittel, Roadkiss) oder den langsameren Ska-Songs (Beatless) keine Wurst vom Teller ziehen, können sie mit den Uptempo-Songs wie „Are you the dolf?“, „Häschenklänge“ oder „Zuckergebäck“ richtig punkten (nun gut, bei letzterem nur musikalisch). Für mich das Highlight des Albums in jeglicher Hinsicht ist „Renn! Idiot! Renn!“, der mich an As friends rust (musikalisch) und Schweisser (textlich) erinnert. Weiterer Anspieltipp wäre noch der letzte Song „Codename: Charlie“, der einen wunderschönen Spannungsbogen aufbaut, um dann ohne großen Höhepunkt in Meeresrauschen auszuklingen. Traumschön mit Möwengekrächze. Fazit: ein Album wie eine Achterbahnfahrt, mit Höhen und Tiefen, die an manchen Stellen mitreißt, wo einem aber auch an manchen Stellen (leider) schlecht werden kann.

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