One Without – Thoughts of a secluded mind

Man stelle sich vor, der typische Göteborg-Deathmetal-Sound würde Popmusik schreiben wollen. Ja, eine schwierige Aufgabe, keine Frage, aber spätestens nach manchen Songs von In Flames sollte allen klar sein, dass sie nicht unlösbar ist. ONE WITHOUT haben sich dieser Aufgabe angenommen, und noch ein wenig Evanescence hinzugemischt, um den Gernemix komplett zu machen.

Für die ersten paar Momente wirkt diese Scheibe noch ein wenig befremdlich, hat man doch unter dem Dachbegriff „schwedischer Deathmetal“ etwas ganz anderes erwartet, selbst mit Pop-Appeal. Das, was da aus den Lautsprechern kommt, erinnert mich allerdings viel mehr an eine Kreuzung aus Still Remains und Paramore. Rockige Songs, leicht metallisch angehaucht, ein paar gezielt eingesetzte Synthesizer, die einen nicht erschlagen, sondern lediglich für ungewöhnliche (okay, mittlerweile nicht mehr ganz so ungewöhnliche) Effekte sorgen sollen, dazu klarer Frauengesang, der weit ab von Nightwish-mäßigem Operndiva-Geträller liegt, sondern vielmehr eben an Hayley Williams erinnert. Ab und zu faucht noch ein Grunter seinen Beitrag ins Mikrofon, was aber weder sonderlich förderlich wirkt, noch negativ ins Gewicht fällt. Alles zusammen erhält noch einen blassen Gothic-Anstrich, womit dann auch Vergleiche mit einer weiblichen Version von HIM nicht mehr allzu weit hergeholt erscheinen.

Zu viel Namedropping? Ja, kann sein, aber genau dadurch lässt sich der Klang von ONE WITHOUT am besten beschreiben. Die einzelnen Songs des Albums an sich sind allesamt leicht verdauliche Kost, die zwar durchweg gefällt, allerdings auch etwas zu glatt gebügelt wirkt. Sonderlich große Unterschiede liegen nicht zwischen den einzelnen Songs, wirkliche Highlights fehlen, allerdings ebenfalls auch richtige Durchhänger.

Wäre ONE WITHOUT ein Auto, so würde es sowohl innerorts als auch auf der Landstraße und Autobahn konstante 70km/h fahren: ein durchaus zügiges Tempo, um aus den Startlöchern zu kommen, aber auf lange Sicht zu träge, um dauerhaft Spaß zu machen. Um das ganze Album am Stück zu hören, muss man schon eine Nebenbeschäftigung haben, aber einzelne Songs wissen zwischendurch dann doch immer zu gefallen.

Für ein Debütalbum klingt das alles aber absolut anständig, auch die Produktion der Scheibe ist durchweg gelungen. Für den hoffentlich irgendwann erscheinenden Nachfolger wünsche ich mir aber ein wenig mehr Action. Schöne Scheibe für gelegentliches Reinzappen!

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