Coraline

Stop Motion ist an und für sich schon eine spannende Geschichte, CORALINE geht noch einen Schritt weiter und bietet Stop Motion in Zusammenklang mit dem derzeit absolut im Trend liegenden 3D-Kino. Auch, wenn ich normalerweise eher genau die gegenteilige Meinung vertrete, sei zu diesem Film aber gleich zu Beginn gesagt: die Freigabe ab sechs Jahren erscheint mir hier unangemessen niedrig zu sein, es sei denn, man will seine Kinder mit Alpträumen bestrafen.

Die kleine Coraline Jones ist unlängst mit ihren Eltern in eine kleine Wohnung umgezogen. Alles steht noch voll mit Umzugskartons, doch weder Mutter noch Vater haben Zeit, sich darum zu kümmern, denn beide sind Autoren und haben wichtige Abgabetermine (der Schreiber dieser Zeilen hat nur zu gut Verständnis dafür). Allein gelassen und ohne die nötige Fürsorge entdeckt das Mädchen eine Tür zu einer Parallelwelt, in der ihre „anderen“ Eltern viel lockerer und liebevoller sind als die realen Pendants. Die Tatsache, dass alle Lebewesen in der anderen Welt Knopfaugen tragen, ist zwar irgendwie gruselig, aber ansonsten fühlt sich Coraline dort sehr wohl, und das Behagen und Wohlbefinden steigert sich mit jedem weiteren Besuch (die Besuche enden in der Regel damit, dass sie dort ins Bett geht und am nächsten Morgen in der Realwelt wieder aufwacht).
Eines Tages jedoch versucht ihre andere Mutter, sie zum Bleiben zu bewegen, und zwar für immer. Coraline muss als einziges Opfer ihre Augen gegen Knopfaugen austauschen. Als Coraline sich wehrt, muss sie feststellen, dass alles in der anderen Welt nur Schein und Trug ist… Es beginnt eine Hetzjagd auf Leben und Tod, bei der es gilt, sich und ihre reale Familie zu retten…

Man muss schon Fan von StopMotion-Filmen sein, um mit CORALINE warm zu werden. Wer schon Tim Burtons Nightmare Before Christmas nicht mochte (welches übrigens ebenfalls von Henry Selick auf dem Regiestuhl geleitet wurde), der wird auch an diesem Film nicht sonderlich viel Gefallen finden. Die 3D-Effekte sind gut in Szene gesetzt, allerdings hat die 3D-Variante den Nachteil, dass viele der Farben zugunsten der Plastizität Federn lassen müssen und verblassen.

Die Welt, die uns bei CORALINE gezeigt wird, ist ähnlich verstörend und beängstigend wie Alice im Wunderland. Optisch liegt alles (welch Überraschung) nahe an Nightmare Before Christmas, und die StopMotion-Technik sorgt ebenfalls für ein wenig Gänsehaut, da sich die Figuren geisterhaft bewegen…

Auch wenn alles gut ausgeht und das ganze sicherlich als Märchen mit positiver Botschaft gemeint ist, halte ich, wie eingangs erwähnt, eine Freigabe ab sechs für eher unverantwortlich. Zu gruselig, zu verstörend sind die Bilder, die uns gezeigt werden. Nicht sonderlich schrecklich, aber eben beängstigend. Wer CORALINE einem sechsjährigen Kind zeigt, kann auch gleich das Kinderzimmer in Mattschwarz streichen.
Entsprechend bleibt auch das Fazit eher verhalten: technisch absolut in Ordnung, die Umsetzung verfehlt aber die eigentliche Zielgruppe weit. Zu gruselig für Kinder, für Erwachsene wohl eher zu verklärt und kindlich betrachtet. Vielleicht muss man aber auch einfach nur in der richtigen Stimmung sein, um bei CORALINE richtig genießen zu können.

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