Eddy Current Suppression Ring – Eddy Current Suppression Ring

Ja, es gibt sie, diese besonderen Momente auf Weihnachtsfeiern. Während bei den Feierlichkeiten von Fußballvereinen gerne Nachwuchs in der Besenkammer gezeugt wird, werden bei den Pendants im Musikzirkus hingegen oft neue Bands aus der Taufe gehoben, so umgesetzt von den Brüdern Eddy und Danny Current sowie Brendan Suppression, die alle in einem Vinyl-Presswerk arbeiteten und während besagter Feier einen gehörigen Blick zuviel ins Glas geworfen haben. Aus dem Plan, lediglich eine Show zu spielen und sich danach wieder aufzulösen, wurde nichts. Gemeinsam mit Bassist Rob Salid sind sie immer noch am Start und schaffen es nun, auch außerhalb ihrer Heimatstadt Melbourne und Australien für Aufmerksamkeit zu sorgen. Goner Records aus Memphis, Tennessee veröffentlicht dieser Tage im Nachhinein das einstige Debüt der vier Aussies, das Nachfolgewerk ist 2008 ebenfalls bei diesem Label erschienen.

Heutzutage gleichen Plattenaufnahmen mitunter einem technischen Wettrüsten, wie wir ihn seit dem Ende des kalten Krieges nicht mehr erlebt haben. Schlagzeuge wie Trommelfeuer, Gitarrenwände wie waffenstarrende Befestigungsanlagen, perfektionierte Gesangsspuren, die die multiple Ton-Treffsicherheit einer lasergesteuerten Bombe aufweisen. Alles ist mit dem nötigen Kleingeld machbar und vieles steht den entsprechenden Produktionen auch recht gut, doch geht bei der ganzen Studiospielerei auch der eine oder andere Songs im technischen Klangmix unter. ECSR gehen den entgegen gesetzten Weg. Einfachheit ist das Ziel.

Das Resultat ist ein wummernder, leicht übersteuerter Bass, ein stechendes Schlagzeug, welches nur nach einem und nicht nach zehn übereinander gesetzten klingt, eine höhenlastige, quietschende und auch nicht immer sauber gestimmte Gitarre sowie ein schnodderiger und näselnder Gesang, der treffsicher an Iggy Pop erinnert und somit die Richtung von ECSR definiert. Hier wird Gitarrenrock aus der Garage im Stile von THE STOOGES und DEVO praktiziert.

Aufgenommen in vier Stunden dürften musikalische Technokraten über so viel Simplizität und Unprofessionalität nur müde lächeln, doch wer ein Herz für den Underground hat und vielleicht selbst in solch einer Feierabend-Band spielt, der erkennt in den vier Freunden aus Down Under seine Proberaumnachbarn und lädt sie zu einem Bierchen ein, um ein paar gemeinsame Konzerte in den kleinen Clubs und Jugendzentren der Region zu planen. In der überkandidelten Moderne haben ECSR eine erfrischende und reinigende Wirkung, weil sie uns zeigen, wo wir alle herkommen.

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