Every Time I Die – New Junk Aesthetic

Es mag wie das Beschwören der Geister aus der Vergangenheit klingen, aber früher war manches besser, oder noch besser gesagt: anders. Wer hätte vor 15 Jahren daran geglaubt, dass Epitaph zu diesem vielschichtigen und größen Indie-Label werden würde, welches es heute ist? Vor 15 Jahren war die Besetzung des Labels von Brett Gurewitz (BAD RELIGION) überschaubar. Neben der eigenen Band noch NOFX, PENNYWISE, RANCID, OFFSPRING, TEN FOOT POLE, DOWN BY LAW und einige andere Freunde. Und alle waren Punk-Bands. Als Fan und Kunde konnte man getrost alles kaufen, was hinten den Grabstein drauf hatte. Heute ist dies nicht mehr gegeben. Und auch ein Release wie das vorliegende „New Junk Aesthetic“ von EVERY TIME I DIE unterstreicht, dass im Hause Epitaph der Punk unlängst seinen Absolutheitsanspruch verloren hat.

Mit ihrem fünften Album debütieren nun ETID aus Buffalo, NY um die beiden Brüder Keith und Jordan Buckley auf dem kalifornischen Kultlabel und dreschen dem Hörer 13 metallische und rasante Hardcore-Stücke um die Ohren, die druckvoll und schwerlastig aus den Boxen streben, darüber hinaus viel Rock´n´Roll im Blut vorweisen, jedoch bei mir nicht richtig funzen wollen. Das liegt bei Weitem nicht daran, dass ich keine harte Musik mag oder miesepetrig von Epitaph mehr Punk erwarte, sondern das liegt daran, dass ETID trotz des Beherrschens ihrer Instrumente es nicht vermögen, wirklich interessante Songs zu schreiben.

Schon der Opener „Roman Holiday“ scheitert an seiner Aufgabe, Lust auf das Kommende zu machen. Zu gleichförmig und dröge kommt dieser daher. Das durchaus hörbare „Wanderlust“ hingegen versucht eine härtere Ausgabe der QUEENS OF THE STONE AGE zu sein, wohingegen „The sweet Life“ sich zum Schluss – und damit zu spät – auf melodische Elemente besinnt. Dazwischen wird ordentlich der Dreschflegel geschwungen und ohne Unterlass geschrien und gekeift, bis Mama Buckley für die Stimmbänder ihres Sohnes einen Kamillentee kochen muss. Nun gut, kann man machen, muss man bekanntlich aber nicht, denn das Ganze erregt mich ungefähr so wie Hausflur-Wischen. Und da ich das diese Woche noch nicht getan habe, obwohl ich dran bin, beende ich hier nun dieses Review.

Vielleicht haben mich ETID mit ihrem neuen Werk auf dem falschen Fuß erwischt, jedenfalls hatte ich mir mehr Nummern Marke „Wanderlust“ erhofft, jene Kombination aus Hardcore und Rock-Spirit, nachdem ich auf Myspace zum Probehören vorbeigeschaut hatte. So allerdings bleibt doch ein unspektakulärer Eindruck zurück.

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