The Retaliation Process – Downfall

Die Hamburger Band THE RETALIATION PROCESS machen es mir nicht ganz einfach, wie ich sie kategorisieren soll… Möglicherweise liegt dies an dem Auftritt, den ich von ihnen bereits live erlebt habe, dem gemeinsamen Bindeglied zwischen ihnen und der Band Irate Architect (Sänger Christoph quält seine Stimmbänder für beide Kapellen), oder einfach der Scheibe ‚Downfall’ an sich. Nicht nur stilistisch, sondern auch qualitativ bin ich hin- und her gerissen zwischen wohlwollendem Applaus und Euphorie.

Sicher bin ich mir dabei, dass, egal, wie man es auch auslegen mag, THE RETALIATION PROCESS ganz genau wissen, was sie da tun, und dieses auch ganz hervorragend machen.
Ob die Konsequenz, mit der sie es tun, allerdings auf lange Sicht gut für die Band ist, weiß ich nicht. Nennen wir das Kind also beim Namen:

‚Downfall’ ist fast durchgängig im Kopfnicker-Midtempobereich angesiedelt. Das ist für sämtliche Songs einzeln betrachtet wirklich gut, denn hier knallt alles, macht für die ganze Scheibe eine Kontinuität klar, bewirkt aber auch, dass die Songs sich alle sehr ähneln. Ist dies Kritik? Nein, nicht direkt, denn gleiches würde ich auch fast von Machine Heads „Burn my eyes“ behaupten, und das ist ja nun keine Beleidigung, oder? Schade ist dabei allerdings, dass auch die Uptempo-Passagen so wirken, als wären sie darauf ausgelegt worden, ggf. noch zu Midtempo-Parts umgewandelt zu werden. Löbliche Ausnahme von dieser Regel ist der Kracher „Blindfolded“, der insgesamt in sich mehr Abwechslung aufweist, als die restlichen Songs untereinander. Das sollte meiner Ansicht nach die Richtung sein, in die THE RETALIATION PROCESS sich weiterentwickeln sollten.

Sehr sparsam eingesetzt, dann aber immer extrem effektiv, wirkt der recht tiefe Cleangesang, der nicht einmal im Ansatz das böse 3-Buchstaben-Wort mit E vermuten lässt, sondern mich stilistisch eher an Nick Holmes von Paradise Lost erinnert. Schicke Idee jedenfalls, nicht das Einheits-Geträllere, wie wir es derzeit zuhauf um die Ohren gebraten bekommen. Aber Christoph kann auch bitterböse kehlig tief grunten und hat eine veritable Schreistimme…

Die Produktion ist, wie sollte es heutzutage auch anders sein, fett geworden. Eike Freese hat in den Hamburger Eikey Studios einen guten Job gemacht und eine satte, auf den Punkt gebrachte Klangstruktur gezaubert, die trotz ihrer Transparenz nicht zu klinisch klingt und ordentlich Druck macht.

Wer sich eine explosive Mischung aus Machine Head und Bury Your Dead ausmalen kann, der hat eine recht gute Vorstellung davon, wie THE RETALIATION PROCESS klingen und wirken. Ein absolut starkes Metal-Album, das lediglich über die Gesamtdauer ein wenig Abwechslung vermissen lässt, nichtsdestotrotz aber an allen Ecken und Kanten knallt.

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