Everything Burns – Home

Rising Records scheint noch aus der alten C64-Zeit zu stammen… Wo sonst hat man die Weisheit her, dass man mit “Dauerfeuer” zum Ziel kommen wird? In heutigen Gamerzeiten kaum auszudenken, schließlich sind die Munitionsvorräte begrenzt…
Dass aber bei Dauerfeuer früher oder später auch mal ein ganz großer Treffer dabei sein muss, ist auch jedem klar. Mit ihrem Debüt ‚Home’ zeigen EVERYTHING BURNS, dass sie durchaus in der Lage sind, dieser Lucky Shot zu sein…

Dabei sieht die Sache beim Opener noch ganz anders aus. Mit einer gehörigen Portion Pessimismus (denn ich habe den Beipackzettel zu diesem Zeitpunkt noch nicht gelesen) lege ich die Scheibe in den Player und erwarte die zigste Deathcore-Band. Schon nach wenigen Momenten muss ich innehalten: nein, wahrlich kein Deathcore, aber auch kein typischer Metalcore… Irgendetwas klingt hier vertraut, verwirrend vertraut, doch ich komme nicht darauf, was es ist. Insgesamt ist ‚Scars’ eher so ein Mittelding zwischen Metalcore und gefälligem Disturbed-alike Modern Rock. Mal schauen, wie es weitergeht. Die Portion Modern Rock, die eben noch mit den Sound geprägt hat, geht beim Titeltrack definitiv in den Hintergrund (was den Rest der Scheibe so bleiben soll und insgesamt eine weise Entscheidung ist), dafür fällt es mir wie Schuppen von den Augen: das ist das Vertraute!

Sänger Tim Kellows muss einfach mit Nathan Grey von Boy Sets Fire (R.I.P.) verwandt sein, eine Organspende in Form der Stimmbänder von ihm erhalten haben oder einfach nur ein guter Imitator sein. Nicht nur die Klangfarbe, auch die Melodielinien, die Ausdrucksstärke und der Tiefgang liegen bei ca. 95% des Ausnahme-Postcore-Sängers. Und Kellows macht eines ganz genau richtig: er pfeift auf die Ähnlichkeit und nutzt diese Stimme voll aus, lässt sich durch Szene-Vorgaben nicht einengen und beschränkt die Bölk-Passagen auf ein Minimum. Hier wird fast durchgehend clean gesungen! Auch instrumental werden mir jetzt Parallelen bewusst, wo der Gesang „gefiltert“ ist. Neuere It Dies Today lassen grüßen…

Die Produktion von ‚Home’ geht völlig in Ordnung, vor allem dynamisch wird hier einiges geboten. Wenn eben stimmlich nicht die ganze Zeit nur Gewalt angesagt ist, können auch die Gitarristen mehr machen. Bass? Tja, ein Opfer des Metalcore-Anteils der Band, zumindest produktionsseitig, denn der ist zwar da, aber meistens nicht klar definiert zu hören, da er sich auf rudimentäres Gitarrebegleiten beschränkt.

Hits wie ‚I´d die’ oder ‚Beautiful disaster’ müssen keine Vergleiche zu anderen Postcore-Bands fürchten. Wäre meine Plattensammlung nicht nach Alphabet sortiert, sondern nach „kann nichts ganz unten links bis kann einiges nach ganz oben rechts“, so würde sich EVERYTHING BURNS mit ‚Home’ wahrscheinlich 2-3 Plätze links von Thrice´s ‚The artist in the ambulance’ einreihen… Muss ich erwähnen, dass das Album mindestens unter den Top 10 steht?

Gespannt darf man auf die weitere Entwicklung dieser noch sehr jungen Band sein, denn auch wenn ‚Home’ bereits jetzt zu meinen Lieblingsscheiben 2010 zählt, so glaube ich dennoch, dass das Potential noch lange nicht ausgeschöpft ist.

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