Eternal Tango – Welcome To The Golden City

Tango ist ein Ausdruck des Leidens, der Versuch der Armut tänzerisch Ausdruck zu verleihen und diese zu überwinden. Unvorstellbar, wenn dies bis in alle Ewigkeit andauern würde. Zum Glück dauert der Tango der Luxemburger für mich doch nur etwas über eine halbe Stunde, obwohl die Herren mit ihrem neuen Werk sich selbst und ihre Zuhörer gerne in der goldenen Stadt begrüßen möchten. Doch bekanntlich ist nicht alles Gold, was glänzt.

„Grandiose Hooks, druckvolle Melodien – herrlich überdrehter Rock’n’Roll! ETERNAL TANGO liefern mit ihrem Album „Welcome To The Golden City“ eine Scheibe ab, die nicht nur BILLY TALENT oder PANIC AT THE DISCO! Fans aufhorchen lassen dürfte! Seit Gründung 2002 sind die Jungs aus Luxemburg unbeirrt ihren eigenen Weg gegangen und haben sich über die Jahre zum gestandenen Alternative-Rock-Act entwickelt. Was ETERNAL TANGO nun auf dem von Markus Schlichtherle (u.a. Madsen, Juli) produzierten „Welcome To The Golden City“ an Energie und Spielfreude auffahren, braucht den internationalen Vergleich mit den ganz Großen nicht zu scheuen! Kein Wunder also, dass Mastering Legende Ted Jensen ganz heiß darauf war, dem Album in seinem New Yorker Sterling Sound Studio den letzten Schliff zu geben und auch das VISIONS Magazin die Band länger schon auf seiner persönlichen Abfeierliste stehen hat!“

So jedenfalls lautet der Info-Text, den ich mir einmal eben von amazon hier reinkopiert habe. Nicht, um ihn so stehen zu lassen. Nicht aus Faulheit. Nein! Sondern um ihn zu kommentieren. Sachtextanalyse propagandistischer Schriften nennt man so etwas.

Erstens: Grandiose Hooks, druckvolle Melodien. An den Attributen arbeiten wir noch. Der Haken ist: diesem Werk ist sämtlicher Druck abhanden gekommen, zu dem die Band live durchaus in der Lage ist. Und überdreht? Hierunter verstehe ich Experimentierfreude, Pioniergeist. Das zweite Album von ETERNAL TANGO hingegen ist ein Design-Produkt aus dem kalten Kalkül des Erfolgswunsches.

Zweitens: Den Grund für den glattgebügelte Sound erkennt man sofort: Wer JULI produziert, ist ein verkappter Schlager-Produzent, auf einer Stufe mit Ralf Siegel, und das hat dann mit Alternative nichts zu tun. Den Vorwurf dürfen MADSEN sich gleich mit abholen. Überdrehter Rock´n´Roll? Ohne Kanten und Konturen? Nicht möglich.

Drittens: Von wegen Konturen – der Vergleich zu Billy´s Disco: Stimmt schon; solange das neue Werk wie eine billige Kopie von MY CHEMICAL ROMANCEs „The black Parade“ klingt (inklusive einer lyrischen Fortsetzungsgeschichte), horchen nicht nur die Fans, sondern auch die idealisierten Bands auf: Beschränken sich ETERNAL TANGO lediglich aufs Kopieren, sind ihre hier propagierten Genre-Nachbarn mindestens immer ein Album voraus.

Viertens: Die liebe VISIONS. Jaja, ich schelte sie in letzter Zeit oft. Mit Recht. Dass die Platzierung auf der Abfeierliste dieses Magazins kein Indiz dafür ist, dass die Musik wirklich bemerkenswert ist, haben viele von mir hoch geschätzte Bands und deren Platten bewiesen, die von den selbsternannten Wächtern des guten alternativen Geschmacks in den letzten Jahren gedemütigt wurden.

ETERNAL TANGO bringen so viel Talent mit, so viele Ambitionen. Und sie schmeißen meiner Meinung nach mit ihrem Drang nach kommerziellem Erfolg alles weg. Vor allen Dingen ihre Individualität. Dass ich mit dieser Meinung wahrscheinlich allein auf weiter Flur stehe, ist mir bewusst. Aber seit wann entscheidet die Masse, was gut und richtig ist? Egal, die Mädchen werden es lieben. Und das ist es ja auch, was ein Rockstar liebt: die Mädchen.

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