Cargo – Da draussen bist du allein

Da es bereits unzählige Filme gab, in denen diese Vision in Bilder gefasst wurde, wird es euch nicht schwer fallen, euch vorzustellen, dass die Welt in ein paar Jahren dermaßen den Bach heruntergegangen ist, dass die Menschheit nicht mehr darauf leben kann und eine Alternative suchen muss. Wer nicht zur Elite zählt und auf dem paradisischen Planeten Rhea ein neues Heim gefunden hat, muss sich mit dem Leben in irgendwelchen heruntergekommenen Raumstationen zufrieden geben, in denen merklich der Lebensstandard mit jeder verstreichenden Minute sinkt. Trostlos und kalt ist das Leben in diesen Stationen, und genau das ist auch der Grund warum die junge Ärztin Laura den Job auf einem Transportschiff annimmt, das die rund vier Lichtjahre entfernte Raumstation 42 beliefern soll. Von dem Geld, das sie in den anstehenden acht Jahren (Hin- und Rückreise) verdienen wird, kann sie sich im Anschluss eine neue Existenz auf Rhea leisten, und abgesehen von einer achtmonatigen Wachschicht pro Flug verbringt sie die restliche Zeit sowieso im Kälteschlaf. Doch natürlich geht ausgerechnet während ihrer Wache etwas schief, und das restliche Bordpersonal wird geweckt. Hat man es mit einem blinden Passagier zu tun, oder wo kommen die merkwürdigen Geräusche aus dem Frachtraum her? Ein kleiner Trupp macht sich auf, um die Containerhalle zu erkunden…

CARGO versucht gar nicht erst zu verbergen, dass es sich hierbei um Adaptionen aus vielen unterschiedlichen Science Fiction-Filmen handelt. Stimmung und Setting erinnern insgesamt ein wenig an die Alien-Filme, undurchsichtige Zusammenhänge und vermeintlich verblendete Mitreisende lassen Erinnerungen an Event Horizon hochkommen. Ohne der Handlung zu weit vorgreifen zu wollen, sei gesagt, dass man auch bei Matrix ordentlich zugegriffen hat, und auch Anlehnungen mit Total Recall kann man ausmachen.

Was diesen Film zu etwas besonderem macht, sind vor allem vier Dinge: der Film ist eine schweizer Produktion, die CGI-Effekte sind extrem schick gelungen und brauchen den Vergleich mit großen Hollywood-Filmen durchaus nicht zu fürchten, der räumliche Sound sorgt schnell für Beklemmung und Angstgefühle, und zudem sind sehr interessante Extras über die Entstehung des Films mit auf der BluRay enthalten.

Wo Licht ist, fallen aber auch im Weltraum Schatten: wo Licht und CGI noch extrem gut gelungen sind, macht man mit den Schauspielern keine so besonders gute Figur. Die Idee, nahezu komplett unbekannte Gesichter zu nehmen, ist zwar an sich sehr löblich, allerdings merkt man am schauspielerischen Talent der einzelnen Figuren auch, warum diese Gesichter noch so unbekannt sind.
Dieser Eindruck wird allerdings auch noch durch die Tatsache verstärkt, dass es der Geschichte nicht wirklich gelingt, Fahrt aufzunehmen und dadurch Spannung zu erzeugen. Man hat von der ersten Minute an ein Gefühl des Unwohlseins, weiß genau, dass da irgendetwas an der gesamten Geschichte faul ist, dass die einzelnen Charaktere nicht ehrlich zueinander sind, aber die einzelnen „Highlights“ und Auflösungen des Films sind so unbedeutend in Szene gesetzt, dass sie neben den sonstigen Szenen, in denen sich Laura beispielsweise per Videobotschaften mit ihrer Schwester unterhält, nicht eine Deut aufregender wirken.

Dass CARGO derartig viele Ideen von anderen Filmen zu einem eigenen Plot vereint, ist in Ordnung, die „technische Seite“ des Films ist überraschend gut, aber in Bezug auf Story, Spannung und Schauspieler hat man hier vielleicht einfach andere Vorstellungen gehabt, als dass ich mir vorstellen könnte, wie es die Allgemeinheit haben wollen würde.
Für Genrefans ist CARGO definitiv einen Blick wert, muss sich im Vergleich aber gegen ein Event Horizon oder die Alien-Teile geschlagen geben.

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