In the electric mist

„Tommy Lee Jones in einem spannenden Thriller um einen Frauen mordenden Serienkiller? Das muss doch eigentlich was taugen…“ So waren meine anfänglichen Erwartungen an den Film, die leider nur in wenigen Punkten erfüllt wurden. IN THE ELECTRIC MIST erzeugte bei mir den Eindruck, eigentlich von gar nichts speziell zu handeln, sondern nur das Leben des Detective Dave Robicheaux ein wenig zu begleiten, dabei die schönen Seiten (aber auch genauso stark die hässlichen Seiten) von Louisiana zu zeigen und irgendwann mit der Kamera wieder wegzuschwenken.

Ein Serienkiller? Ja, man bekommt gleich zu Beginn erklärt, dass eine Frau brutal umgebracht wurde, und es finden sich auch noch weitere Leichen, die in den Dunstkreis des selben Täters zugeordnet werden dürfen, aber das gibt es immer nur „auf Zuruf“ für den Zuschauer. Handlung diesbezüglich kommt keine auf. Ein Mord, vor über vierzig Jahren verübt an einem Schwarzen, der in Ketten lag? Ja, auch das wird nebenher mehrfach erwähnt. Warum Robicheaux erst jetzt damit rausrückt, wo das Skelett in den Sümpfen gefunden wird, und nicht schon vor vierzig Jahren, als er den Mord beobachtet hat? Wir werden es nicht erfahren, denn der Film gibt darüber keine Auskunft…

Überhaupt enthält der Film wenige Momente, wo man das Gefühl vermittelt bekommt, dass hier in der Handlung (worüber diese auch immer gehen mag) vorangegangen wird. Tommy Lee Jones stellt vielen Leuten Fragen, die diese meistens nicht hören wollen, steht Mafia und Hollywood-Filmcrew im Weg, und im Notfall verprügelt er halt irgendwen.
Im einen Moment streng gesetzestreu, im nächsten Amok laufend, so der Charakter von Robicheaux, das ist nicht gerade glaubwürdig…

Schauspielerisch wissen Jones, Goodman, Sarsgaard und Co. zu überzeugen, doch der Plot, der zudem mit wegweisenden LSD-Visionen stellenweise einen enorm surrealen Anstrich verpasst bekommt, ist weder in sich schlüssig, noch hat er einen Spannungsbogen.
Wie ein Portrait der Südstaaten, seiner Bewohner und deren Mentalität wirkt IN THE ELECTRIC MIST, immer wieder auch gut unterstützt durch schicke Landschaftsaufnahmen und einen starken Soundtrack. Als Thriller funktioniert die Geschichte aber nicht, dafür plätschert die Handlung zu sehr ohne erkennbaren roten Faden vor sich hin.

In gewisser Weise ist der Film vergleichbar mit „There will be blood“, jedoch in einem anderen Szenario. Wem diese Charakterstudie gefallen hat und nicht zu langatmig war, der wird auch bei IN THE ELECTRIC MIST Spaß haben bzw. gut unterhalten werden.
Vorzeigbare atnosphärische Filmkunst, die aber nahezu gänzlich unspannend daher kommt. Die Auflösung am Schluss ist zudem banal, passt nicht ins Gesamtbild und erscheint ein wenig „zufällig“. Da das ganze nach einer Romanvorlage gedreht wurde, bleibt nur der Schluss, dass dem Autor wohl die Ideen ausgingen und er zum Ende kommen wollte…

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