Possession

Sarah Michelle Gellar, eine der größten Scream-Queens der heutigen Horrorfilmszene, scheint langsam aus dem Buffy-und-Co.-Alter herauszukommen. Auch wenn POSSESSION immer noch einen deutlichen Mystery-Einschlag hat, so ist ihre Rolle in dem insgesamt eher gemächlichen Thriller doch deutlich hausbackener, als wir es in den meisten ihrer Filme gesehen haben. Als liebevolle Ehefrau mit einem Job als Rechtsanwältin wirkt sie fast schon ein wenig zu spießig, als man es ihr abnehmen will. Doch ich greife vorweg…

Jessica und ihr Mann, der Künstler Ryan, haben sich kennen- und lieben gelernt, als sie seinen Bruder Roman vor Gericht verteidigt hat. Die beiden Brüder sind eigentlich starke Gegensätze: Ryan einfühlsam, romantisch und liebevoll, Roman ein Krimineller, dem auch bei Frauen mal die Hand ausrutscht. Dennoch steht Ryan zu seinem Bruder und versucht, ihn zu unterstützen, wo er nur kann.
Doch Jessica hat Angst vor Roman und fühlt sich unwohl, seit er mit ihnen gemeinsam im Haus wohnt. Nach einem Streit packt Roman seine Sachen und will abhauen. Getrieben von ihrem schlechten Gewissen ruft Jessica Ryan an, der sich sofort auf den Weg macht, um seinen Bruder zu suchen. Wie es das Schicksal so will, krachen die beiden Wagen der Brüder auf einer Brücke im starken Nebeltreiben frontal aufeinander, beide werden schwer verletzt und landen im Koma…

Ein paar Wochen später, Jessica hat schon alle Hoffnungen aufgegeben, erwacht Roman wieder, doch er ist schwer mitgenommen und ist steif und fest davon überzeugt, eigentlich Ryan zu sein. Erstaunlicher Weise verhält er sich auch wie Ryan, macht die gleichen Dinge, die auch Ryan gemacht hat, geht denselben Interessen nach… Jessica ist verwirrt und verängstigt, denn auch eine Hypnose kann dieses Verhalten nicht erklären. Zudem besitzt Roman Detailkenntnis von Begebenheiten, die er unmöglich wissen kann. Sollte hier etwas wie eine Seelenwanderung stattgefunden haben?

POSSESSION thrillt nicht im eigentlichen Sinne des Wortes. Kernelement der Handlung ist vielmehr die Verzweiflung und Zerrissenheit von Jessica: einerseits kann sie nicht glauben, was ihr erzählt wird, andererseits sprechen viele Details dafür, und ausserdem wünscht sie sich so sehr, ihren Mann wieder in die Arme schließen zu können…

Die Regisseure Joel Bergvall und Simon Sandquist verstehen es, den kleinen Dingen in dieser Geschichte große Bedeutung beizumessen. Die eigentliche Auflösung der Geschichte wird hierbei im Endeffekt schon fast zur Nebensache, und interessanter Weise gibt es unter den Extras ein alternatives Ende, das fast die gesamte zweite Hälfte des Films zeigt und viele Dinge anders wiedergibt. Hier wurde nicht nur, wie man es häufig als alternatives Ende aufgetischt bekommt, das letzte Bild verändert, sondern der gesamte Plot des Films bekommt eine völlig andere Richtung und wird auch konsequent völlig anders zum Abschluss gebracht.

Gäbe es diese Alternativfassung des Films nicht als Extra, würde mich die Geschichte nur halb so gut unterhalten. Die unterschiedlichen Möglichkeiten, die sich aus der Ausgangssituation ergeben, sind aber so klasse ausgebaut worden, dass man hier einfach nur Bonuspunkte verteilen kann.
Neben der darstellerischen Leistung von Sarah Michelle Gellar, Lee Pace und Michael Landes ist vor allem der Schnitt in der Szene lobenswert zu erwähnen, in der die beiden Brüder den Unfall bauen. Leider ist dies auch die einzige Szene, in der die Geschichte ein wenig rasanter erzählt wird. Das ansonsten eher gemächliche Tempo lässt die als Thriller gedachte Story dann eher als psychologische Charakterstudie mit Mysterie-Anleihen entarten. Nichtsdestotrotz ist POSSESSION durchaus empfehlenswert und zeigt, dass Sarah Michelle Gellar schauspielerisch mehr auf dem Kasten hat, als sich zu fürchten oder Dämonen zu jagen…

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