Everybody´s fine

Ja, allen geht es gut… Wie oft hat Rentner Frank (Robert De Niro) diese Aussage von seiner Frau gehört. Sie ist es gewesen, die die Familie zusammengehalten hat und im steten Kontakt zu den Kindern stand, die allesamt ihr Glück in der weiten Welt gesucht haben. Doch jetzt ist Frank Witwer, und seine Bemühungen, die Familie zu einem gemeinsamen Wochenende im alten Zuhause zu vereinen, scheitern. Nach und nach sagen alle Kinder kurzfristig ab. Frank beschließt: wenn meine Kinder zu beschäftigt sind, um mich zu besuchen, werde ich einfach die Koffer packen und sie besuchen. Überraschend, ohne große Vorankündigung, und entgegen des ärztlichen Rates.

Da Fliegen viel zu anstrengend für ihn wäre, setzt er sich in Züge und Busse, um alle vier Kinder nacheinander abzuklappern. Doch schon beim ersten Sohn David hat er keinen Erfolg. Der scheint nicht da zu sein, lediglich ein Gemälde im Schaufenster einer nahe gelegenen Galerie zeugt von seiner Anwesenheit. Als David auch am Folgetag nicht auftaucht, hinterlässt Frank ihm einen Brief und macht sich erneut auf den Weg, diesmal zur Tochter Amy (Kate Beckinsale).

Doch schon bei seiner Ankunft bemerkt Frank, dass irgendetwas nicht stimmt. Sein Enkelsohn erzählt von Problemen in der Schule (wo er doch eigentlich gedacht hat, dass er Klassenbester wäre), und auch in der Ehe seiner Tochter scheint es nicht allzu rosig abzulaufen. Doch Frank lässt sich nichts anmerken, macht ein paar Erinnerungsfotos und zieht dann weiter zu Robert (Sam Rockwell), seinem zweiten Sohn. Auch dessen Karriere als Dirigent stellt sich als Anstellung als Trommler im Orchester heraus, und bei Rosie (Drew Barrymore), seiner zweiten Tochter, erkennt Frank ebenfalls, dass an der vorgespielten Glamour-Fassade etwas gänzlich anderes unter der Oberfläche schlummert…

Ein liebender Vater, der für seine Familie nur das Beste wünscht, aber nie wirklich Zeit für seine Kinder hatte. Kinder, die ihren Vater niemals enttäuschen wollten, aber seinen (vermuteten) Erwartungen niemals gerecht werden konnten. Ganz normale Einzelschicksale und Charakterentwicklungen, die vor dem nun plötzlich Interesse bekundenden Vater jahrelang verheimlicht wurden und deren Fassade nun gewahrt werden muss. All das ist Teil der Geschichte, die uns EVERYBODY´S FINE erzählen will. Hier werden keine Actionszenen benötigt, um Spannung zu erzeugen, sondern vielmehr interessiert den Zuschauer, wie schlimm es für Frank noch kommen kann, wann er endgültig die Nase voll hat, sich hinters Licht führen zu lassen (denn dass er etwas merkt und Zweifel an den Geschichten hat, die ihm aufgetischt werden, erkennt man anhand seiner Reaktionen und Blicke).

Kirk Jones schafft es, seine Akteure authentisch wirken zu lassen. Hier spielt niemand eine Rolle, sondern die Schauspieler verkörpern vielmehr genau das Bild, das die Figuren in der Geschichte darstellen sollen. Die erfolgreiche Werbemaklerin, die aber in ihrer privaten Beziehung einen Wechsel vollzogen hat, der Perkussionist, der eigentlich viel mehr auf dem Kasten hat, aber sich mit dem Erreichten zufrieden gibt, die eher mittelmäßig erfolgreiche Tänzerin, die aber Ruhm und Glamour vortäuscht…
EVERYBODY´S FINE lässt uns recht schnell einen Einblick in Franks Seelenleben gewähren, die akribischen Vorbereitungen der gemeinsamen Feier, bei der er alles perfekt machen will, und die anschließende Enttäuschung, als alles ins Wasser fällt, erregt schon in den ersten Minuten Mitgefühl, das uns bis zur letzten Sekunde nicht mehr loslässt. Ein ruhiger Film, der dennoch stark anrührt…

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