Linkin Park – A thousand suns

Wie nennt man es, wenn jemand etwas verkauft, was gar nicht das ist, was derjenige vorgibt? Betrug. Irgendwie schleicht sich genau dieses Gefühl bei mir ein, je häufiger ich versuche, das neue Album von LINKIN PARK anzuhören. LINKIN PARK, das ist die Band, die uns mit ‚Hybrid Theory’ im Jahre 1999 ins neue Jahrtausend katapultierten, die den Crossover neu erfunden hatten. 2003 folgte ‚Meteora’ ebenfalls sehr spannend, aber schon deutlich Mainstream-tauglicher. Mit ‚Minutes To Midnight’ folgte dann der Wechsel in die Richtung Alternative Rock. Jetzt liegt nach einer gefühlten Ewigkeit die vierte Langrille endlich vor.

Eigentlich will ich nicht sonderlich viele Worte verlieren. LINKIN PARK haben nicht nur grundsätzlich ihren Stil verändert. Hier hört man nichts mehr von Rock oder gar Crossover oder Metal. Das ist irgendwas zwischen Pop, elektronischen Klangkollagen und Einfallslosigkeit. Bei 15 Tracks, die die CD beinhaltet, will ich mich bei mehr als 2/3 komplett weigern, von Songs zu sprechen. Der Rest, der übrig bleibt, ist belanglos, uninspiriert, und einfach und gelinde gesagt eine Frechheit. Lediglich an den Stimmen erkennt man noch, dass hier eine Band am Werkeln ist, die man früher als LINKIN PARK kannte (mit denen hat diese Scheibe allerdings nichts mehr zu tun, abgesehen vom Namen natürlich). Selbst Bands wie Coldplay schreiben härtere Songs.

Okay, Stilwechsel hin oder her, alles wäre nur halb so schlimm, wenn das neue Material wenigstens eingängig oder zumindest gut durchdacht wäre. Im Booklet gibt es zu lesen, dass die Herren über Monate immer und immer wieder alles, was sie im Studio zustande gebracht haben, über den Haufen geworfen hätten in einem Prozess der Selbstfindung. Gesetz den Fall, sie haben sich am Schluss tatsächlich selbst gefunden, kann man eigentlich nur davon ausgehen, dass dann für die eigentliche Produktion der Scheibe nur noch wenige Stunden Studiozeit zur Verfügung blieben, denn das, was einem beinahe die gesamte Zeit über aus den Boxen entgegenschallt, klingt verdächtig nach irgendwelchen Computer-Presets, die man ein wenig verfremdet hat.

Die Meinungen zu ‚A Thousand Suns’ gehen auseinander wie bei kaum einen anderen Album, das ich kenne. Hiermit sei jeder gewarnt, nicht blindlings die CD zu kaufen, nur weil LINKIN PARK drauf steht, denn nicht das, was man erwartet, ist auch drin! Hätte die Band sich im Vorfeld umbenannt und dieses Ding als Debüt veröffentlicht, ohne zu verraten, wer dahinter steht, wäre es gnadenlos in der Versenkung verschwunden. So regt sich die Hälfte darüber auf, die andere Hälfte regt sich über die kritischen Stimmen auf. Perfekte Publicity!

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