Lavotchkin – Widow country

Wenn Musik ein Werkzeug wäre, was wäre dann die Band Lavotchkin wohl? Eine grobe Raspel? Eine rostige Säge? Ein Presslufthammer? Egal was, es wäre ein hässliches Werkzeug, das bei falscher Anwendung unglaublich doll wehtun könnte. Ihre neue EP ‚Widow Country’ zeigt die Hardcore-Band mit all ihren Stärken (und Schwächen?!?). Im Zeitalter von Metal- und Deathcore bin ich verleitet, von Hardcore „der alten Schule“ zu sprechen, habe aber Angst dass das mit Oldschool-Hardcore verwechselt wird!

Ungeschönt, roh, brachial, so klingen Lavotchkin, und erinnern mich dabei sofort an Bands wie Botch, Converge oder Torn Apart. Die gesamte Aufnahme hat dabei einen satteren Klang, als es die Scheiben, die ich im Ohr habe, Mitte der Neunziger zu erreichen vermochten, aber alles wirkt, als wäre es im Anschluss noch einmal durch einen separaten Verzerrer gejagt worden. Kratzig, brodelnd, bösartig! Immer wieder auftauchendes Stilmittel der Band ist es, mittels Powerchords eine Akkordfolge als Pseudo-Melodie zu spielen, die von einer oktavierten Gitarre permanent begleitet wird, um dann ab und an auch mal ein wenig Dissonanzen einzustreuen. Das beißt dann kurzzeitig und schmerzt in den Ohren, wird aber sofort wieder aufgelöst.

Auch inhaltlich setzt man ziemlich schnell klare Signale, in welche Richtung ‚Widow Country’ marschiert. Freundlich ausgedrückt: schon „The Pledge“ macht in eindrücklichen Worten klar, dass die Herren keine Christen sind und sich mit Religion nicht viel am Hut haben.

Das sechs Songs beinhaltende Schmuckstück in der heutigen, glatt gebügelten Musiklandschaft wurde von Jason Sanderson aufgenommen, der auch schon Rolo Tomassi in der Mache hatte, sowie von Alan Douches (Converge, Mastodon) gemastert. Damit hat man auch Zeichen gesetzt, wie man sich klanglich selbst gerne einordnen würde, und das ist durchaus vertretbar. Wer auf rauen Hardcore steht, kommt an der EP von LAVOTCHKIN nicht vorbei!
Übrigens: wer über einen Kauf nachdenkt, sollte definitiv über die Labelseite von Klangverhältnisse gehen, denn bei Amazon soll man für die sechs Songs stolze 26 Euro zahlen, beim Label direkt gibt es die Scheibe inkl. Download-Code für schlappe 5 Euro!

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