My Chemical Romance – Danger Days- The true lives of the Fabulous Killjoys

Was hat man als Emoband für Möglichkeiten, wenn man nicht im überschwemmten Marktsektor untergehen will? Diese Frage mussten sich auch MY CHEMICAL ROMANCE stellen. Die Antwort ist denkbar einfach: der eingeschlagene Weg, softer, poplastiger zu werden, wird konsequent fortgesetzt. Das Ergebnis: ‚Danger Days: The true lives of the Fabulous Killjoys’. Das Konzeptalbum um eine postapokalyptische Welt, in der die Killjoys gegen das Regime antreten, strotzt nur so vor Chart-Appeal und muss sich diesbezüglich ein wenig Kritik gefallen lassen.

Es ist schon eine harte Nuss, wenn man sich überlegt, wo die Band herkommt, wenn man sich mit solchen Gedanken im Hinterkopf und ansonsten völlig unvorbelastet das neue Werk anhört. Nach einem kurzen Intro erschallt uns ein „Na-nanana“ entgegen, das bezeichnend für das restliche Album sein soll. So viel „schallala“-Gefühl wie auf ‚Danger Days’ hatte ich seit langem nicht mehr. Hier wird mit Volldampf sämtlicher härterer Rock gegen die Wand gefahren. Statt Vergleichen mit Fallout Boys oder ähnlichem standhalten zu wollen, schreibt man jetzt Songs, bei denen man sich eher auf gleicher Stilebene mit The Blackeyed Peas befindet. Reicht es auch für eine gleiche Augenhöhe aus?

Die Songs auf ‚Danger Days’ gehen nicht direkt ins Ohr. Um ganz ehrlich zu sein, war ich nach dem ersten Hördurchgang insgesamt eher schockiert über so viel „Standards“, die hier aus dem 1×1 der Popmusik heruntergebetet werden. Doch diese Scheibe muss sich erst langsam bei euch einnisten. Habt ihr die zweite oder dritte Runde hinter euch, wird es nach und nach immer spannender, die Hooks bleiben länger im Hinterkopf. Irgendwann zündet das ganze auch, aber: immer unter der Prämisse, dass ihr das Album nicht als Rockscheibe, sondern als Popalbum seht.

Dann ist die Scheibe aber wirklich gut produziert, wird hauptsächlich durch satte Synthesizer- und Keyboardklänge getragen, und lädt sehr häufig zum spontanen Mitsingen ein. Anspieltipp: ‚Bulletproof heart’ (die unglaubliche Ähnlichkeit zu einem Placebo-Song ist ganz bestimmt nur rein zufällig…) sowie ‚Destroya’! Bei diesen beiden Nummern rockt es am ehesten. Den Song ‚Vampire Money’ darf man getrost als Ausnahme betrachten mit seinen Sleaze-Rock-Anleihen…
Mit den früheren Sachen hat das alles nicht mehr ganz so viel am Hut, schlecht ist es deswegen aber noch lange nicht! Erwartet einfach ein wenig frischen Wind, anstatt neue Songs auf ausgetretenen Pfaden.

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