Times Of Grace – The hymn of a broken man

Wer sich ein wenig auskennt, und ich gehe einfach mal davon aus, dass diejenigen, die sich für eine Rezension von TIMES OF GRACE interessieren, dazu zählen, wird sich nicht sonderlich darüber wundern, dass die Band mit ihrem Debüt ‘The hymn of a broken man’ verflucht noch mal nach Killswitch Engages ersten beiden Alben klingt. Für alle anderen, die eher zufällig hierauf gestolpert sind: TIMES OF GRACE, das sind Jesse Leach (ehemals Killswitch Engage) und Adam Dutkiewicz (Killswitch Engage). Die Idee zu der Band hat einen ziemlich tragischen Hintergrund: Adam D hat regelmäßig Probleme mit seinem Rücken, was dann während einer Killswitch Engage-Tour zur Not-OP führte. Im Krankenhaus begann er, Ideen für TIMES OF GRACE zu sammeln, und da er sich selbst nicht für den besten Sänger hält, lag es nahe, jemanden zu fragen, dem er dies zutraute: Jesse Leach, der die Band Killswitch Engage damals wegen Depressionen verlassen hatte…

Genug der Ahnenforschung! TIMES OF GRACE haben zwar, wie nun wirklich allen klar sein dürfte, starke Parallelen zu Killswitch Engage, ich würde aber davon Abstand nehmen wollen, sie als „Kopie“ oder 2nd Edition oder ähnliches zu betiteln. Nicht nur, dass sich der Gesangsstil von Jesse Leach und Howard Jones im Endeffekt bei näherer Betrachtung doch deutlich unterscheidet, auch vom Songwriting her sind es zwei Paar Schuhe. Beide Bands spielen Metalcore, jedoch darf man hier das Wort Metal deutlich unterstreichen. Hardcore-Elemente sind zwar zu finden, allerdings in so moderatem Umfang, dass man die Band auch ohne schlechtes Gewissen in reines Metal einsortieren könnte, dafür finden ein paar Countryeinflüsse und sogar einige wenige balladeske Töne einen Weg in die Songs.

Produktionsseitig ist alles in trockenen Tüchern. Adam D hat sich die Zeit genommen, die es braucht, um ein enorm gutes Album einzuspielen und zu produzieren. Der Multiinstrumentalist und Produzent hat hier wirklich alles abgesehen vom Gesang ganz alleine gemacht (und selbst gesanglich gibt es den einen oder anderen Beitrag von ihm in den Songs). Das Ergebnis: ein satter Sound, megabreite Gitarrenwände, druckvoller Bass, dominanter Gesang. Eine Granate, klanglich nahezu perfekt.

TIMES OF GRACE ist im Metalcorebereich uneingeschränkt empfehlenswert und dürfte auch noch den einen oder anderen Metalpuristen ansprechen, der bei dem Wort „Core“ normalerweise sofort einen Brechreiz unterdrücken muss. In wie weit sich die Band und Killswitch Engage nun gegenseitig im Weg stehen bzw. die Butter vom Brot klauen, bleibt abzuwarten. Als Studioalbum ist das aber ein echter Hit. Bei TIMES OF GRACE ist Jesse Leach übrigens meiner Ansicht nach deutlich besser aufgehoben als bei Killswitch Engage, denn das, was er im Vergleich zu Howard Jones anders macht, kann er hier ausleben, wohingegen Howard Jones bei Killswitch Engage besser in den Gesamtklang passt. So gesehen also alles richtig gemacht!

Schreib einen Kommentar