Title Fight – Shed

„Heidewitzka, was für ein Debüt!“ könnte man förmlich aus tiefstem Herzen schreien, wären TITLE FIGHT nicht schon seit High School Tagen in den letzten sieben Jahren quer durch die Staaten gereist, um kleinere Kellerclubs unsicher zu machen. Insofern kann man nicht mehr von Newcomern sprechen, wohl aber von einer Combo, die durch das Signing von SideOneDummy dem Status einer Untergrund-Band entwachsen sollte.

Nach mehreren EPs und 7inches, die 2009 auf „The Things You Forget“ kompiliert worden sind, erscheint nun mit „Shed“ doch das erste richtige Album des Quartetts aus Pennsylvania. Betreibt man vergleichendes Hören, so fällt schnell auf, dass zwischen „Shed“ und dem Frühwerk Welten liegen. Begeisterten TITLE FIGHT einst mit ihrer rasant und unbekümmert vorgetragenen Interpretation von jungen SAVES THE DAY zu Zeiten von „Can´t slow down“ und „Through being cool“ oder von LIFETIME während der Jade-Tree-Ära („Hello Bastards“ und „Jersey´s Best Dancers“), muss dem jedoch attestiert werden, dass diese Songs zwar durchaus sympathisch sind, jedoch keine große musikalische Halbwertzeit aufweisen können: so schnell sie zum einen Ohr hereinfliegen, das musikalische Glückszentrum im Hirn treffen, so schnell ist diese Droge aus dem anderen Ohr wieder entwichen und man leidet quasi am Entzug.

„Coxton Yard“ als Opener oder die Single „Flood of ´72“ knüpfen hieran nahtlos an, doch schon das Titelstück „Shed“ verlässt den Rahmen des poppigen Hardcore-Punks aus New Jersey und Pennsylvania und zeigt Anleihen zum Punk aus dem Mittleren Westen und Florida, wie er gerne von No Idea Records veröffentlicht wird. Unweigerlich muss dann natürlich behauptet werden, „27“ klinge nach HOT WATER MUSIC – und zwar nach solchen aus der Prä-Epitaph-Phase.

Die druckvolle, wohl aber kratzige Produktion steht dem Anliegen des Albums hervorragend, das Erbe des Hardcores und Emo-Punks der 90er ins neue Jahrtausend zu übertragen. Hierfür war als Produzent kein Geringender als Walter Schreifels (groß: GORILLA BISCUITS, unerreicht: QUICKSAND, auch nicht schlecht: RIVAL SCHOOLS) verantwortlich. Und auch das neue Management durch Missy Worth, die schon RISE AGAINST zu Welteroberern werden ließ, spricht dafür, dass mit TITLE FIGHT im Kampf um den Titel etwas werden könnte – in welcher Liga wird sich allerdings noch zeigen.

Neben der obligatorischen CD erscheint „Shed“ auch auf Vinyl. Verpackt in einem tollen Gatefold mit farbigem Sleeve und ausgestattet mit einem DL-Code gibt es für Ästheten hier höchstens zu meckern, dass die Scheibe lediglich schwarz ist. Eine kleine SideOneDummy-Krankheit. Abgesehen davon natürlich eine mehr als empfehlenswerte Scheibe für junge und jung gebliebene Liebhaber independenter Hörkultur.

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