Wacken Open Air 2010

Mit 75.000 zahlenden Zuschauern war das diesjährige Wacken Open Air bereits noch vor dem Jahreswechsel ausverkauft. Als kleines Dankeschön für das Vertrauen haben die Veranstalter dieses Jahr ein Line-Up aufgestellt, das sich durchaus sehen lassen konnte. Aber auch das Drumherum hat wieder einige Neuerungen bereitgehalten, allem voran wohl „Wackingen“, das kleine Wickingerdorf ausserhalb des eigentlich Festivalgeländes auf der Camping-Site, wo in erster Linie Vikingmetal – und mittelalterlich angehauchte Bands eine Plattform im gelungenen Ambiente vorfanden.

Die Organisation hat ein weiteres Mal sehr gut geklappt, zumindest hatten wir keine Punkte, die wir hätten bemängeln wollen. Das Wetter hat fast zu gut mitgespielt (der ausbleibende Regen sorgte dafür, dass jedes mal, wenn etwas Bewegung ins Publikum kam, eine riesige Staubwolke den Blick auf die Bühne versperrte), und auch wenn die Entscheidung der Veranstalter, Wall of Death sowie Circle Pit auf die „No-Go-Liste“ zu setzen, bei den Zuschauern nicht unbedingt gut ankam, wurde im großen und ganzen jedoch auch auf diesen Wunsch eingegangen. Entsprechend hatten dieses Jahr die Sanitäter im Vergleich zu früheren Jahren überraschend wenig zu tun. Widmen wir uns jetzt aber dem eigentlichen Kern eines Festivals, den Bands:

Schon der Donnerstag startete gleich mit mehreren Highlights. Unser erster Auftritt, den wir schauten, war ALICE COOPER. Hingehen, solange er noch lebt, war die Devise, und Cooper überraschte mit einer ungeahnten Agilität. Gefolgt von MÖTLEY CRÜE, denen man allerdings nicht ganz so viel Aufmerksamkeit schenken konnte, da parallel GHOST BRIGADE auf der Wetstage spielten (für mich eine der großen Überraschungen des Festivals), wartete man insgeheim schon gespannt auf IRON MAIDEN, die nach einem Jahr Pause erneut als Donnerstags-Headliner spielten. Im Gegensatz zu dem unvergessenen Gig vor zwei Jahren, konzentrierten sich die Engländer eher auf neuere Scheiben, die Aneinanderreihung von Klassikern blieb aus. Nichtsdestotrotz ein sehr guter und überzeugender Auftritt vor bis zum Bersten mit Zuschauern gefülltem Festivalgelände.

Für den Freitag hatte man sich ebenfalls jede Menge vorgenommen, manche Sachen sind dann allerdings doch hinten heruntergefallen. Was man sich nicht nehmen ließ, waren END OF GREEN, AMORPHIS, 1-2 Songs von JOB FOR A COWBOY und IL NINO, ehe man sich eine kurze Pause gönnte. Den Vorabend starteten ENDSTILLE, dicht gefolgt von ARCH ENEMY. Ein kurzer Umweg über MAMBO KURT sollte dann durch SLAYER gegipfelt werden. Doch hier wurde man derbe enttäuscht: Songauswahl hui, Performance pfui! Keine Bewegung auf der Bühne, ein eher unterdurchschnittlicher Sound, zudem nicht gerade spielsicher. Wen wundert es also, dass IHSAHN auf der Wetstage vor fast vollgestopftem Zelt spielte? Eigentlich wollte man sich noch Atrocity anschauen, jedoch war die Verlockung des Partyzeltes doch zu groß, sodass man damit den Freitag abhaken durfte.

Der Samstag sollte noch einmal richtig viel bieten. EKTOMORPF, CALIBAN, DIE KASSIERER (bitte beim nächsten mal nicht im Zelt, sondern auf einer der Bühnen, hier war es einfach zu eng und zu voll). Später dann CANNIBAL CORPSE mit einem unglaublich guten Set, SOULFLY, DESPISED ICON. Unser Headliner des Abends sollte FEAR FACTORY sein, die die in sie gestellten Erwartungen übertreffen konnten, allerdings weiterhin die schon im Vorfeld irgendwo gelesene Ignoranz gegenüber „Archetype“ pflegten und leider keinen einzigen Song dieser Scheibe spielten. Ansonsten aber überwältigend gut. Als „Absacker“ wurde letztendlich dann noch THE DEVILS BLOOD angeschaut, wirklich überzeugen konnte die Band allerdings nicht.

Die Abreise erfolgte im Bereich des Festivalgeländes ohne jegliche Schwierigkeiten, jedoch hat man dann doch wieder das altbekannte Staufinder-Spiel gespielt. Eine laut Navi angezeigte Streckendauer von drei Stunden zog sich dann insgesamt auf siebeneinhalb Stunden. Nichtsdestotrotz steht für uns fest: nächstes Jahr sind wir gerne wieder dabei!
Ein riesiges Dankeschön an das gesamte Team vom Wacken Open Air, das erneut eine grandiose Party ermöglicht und sich ungemein gut um einen runden Ablauf gekümmert hat…

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