Agnosia

Zugegeben: nach ‚Das Waisenhaus’ und ‚Pans Labyrinth’ hatte ich eigentlich mehr erwartet von AGNOSIA, bin aber im Nachhinein dennoch zufrieden, wenn auch nicht euphorisch oder begeistert. Ein Film, der eher mit Bildgewalt und einer ruhigen Grundstimmung punktet, anstatt mit Action und Special Effects um sich zu schmeißen. Die Geschichte dabei ist unglaublich spannend erzählt und behandelt vor allem ein insgesamt eher noch nicht so sehr abgegrastes Thema.

Joana (Barbara Goenaga) leidet an Agnosie. Ihr Gehirn ist nach einer Meningitis in ihrer Kindheit nicht mehr in der Lage, Umweltreize sinnvoll zu filtern, entsprechend wird sie von Bildern und akustischen Signalen überrannt und kann daraus resultierend niemanden klar erkennen.
Ihr Vater (Sergi Mateu) hat ein enorm leistungsstarkes Gewehrobjektiv entwickelt, erkennt aber bei der Präsentation (bei der Joana im übrigen auch ihre Agnosie erleidet), wie schrecklich seine Erfindung eigentlich ist und beschließt, sie nicht auf den Markt zu bringen. Seine ärgste Konkurrentin versucht nun, an das Herstellungsgeheimnis zu gelangen…
…und auch Jahre später, Joana ist inzwischen erwachsen, ist dies noch der Fall! Mrs. Prevert (Martina Gedeck) geht dabei so weit, dass sie, nachdem Artur Prats bei einem Einbruch von den Einbrechern erschlagen wird, einen Komplott schmiedet, bei dem Joana, die das Geheimnis wahrscheinlich nun als einzige kennt, dieses entrissen werden soll. Dazu wird der ehemalige Hausdiener Vincent(Felix Gomez) beauftragt, sich in einem Experiment als Joanas Verlobter Carles(Eduardo Noriega) auszugeben und sie zu befragen…

Eindrucksvoll zeigt Eugenio Mira in seinem Film, dass man auch ohne große Actionszenen einen spannenden Film machen kann. Es sind insbesondere die drei Hauptfiguren Vincent, Carles und Joana, die ausdrucksstarkes Schauspielern an den Tag legen, und alle in sehr unterschiedlicher Richtung. Joana, die mit ihrer Krankheit zwar relativ hilflos da steht, dabei aber unglaublich liebevoll und liebreizend wirkt und nicht wirklich darunter zu leiden scheint, solange ihr nichts geschieht, Carles, der hin und her gerissen scheint, denn zwar liebt er Joana, hofft aber dennoch auf ihre Genesung, denn so sieht er sie auch als Belastung und sucht sich Befriedigung in Bordellen und Rauschhäusern, aber auch das Verantwortungsbewusstsein gegenüber der Firma und seine Treue gegenüber Artur Prats binden ihn an sie, und schließlich Vincent, der mehr oder weniger zu dem Komplott gezwungen wird, sich dann aber in Joana verliebt und seine ursprüngliche Motivation vergisst und stattdessen versucht, Joana zu retten.

Ich hätte mir gewünscht, dass der Film noch mehr aus Joanas Sicht gezeigt worden wäre. Dadurch, dass sie mehr oder weniger eigenständig zu handeln in der Lage ist, wirkt sie zeitweise nur wie erblindet, sodass das Nicht-Erkennen ihres Verlobten ein wenig befremdlich wirkt. Hier hätte man die Problemstellung noch etwas klarer in den Vordergrund rücken können.

Ansonsten besticht der Film durch seine Grundstimmung! Die Vermischung der unterschiedlichen Stile (Drama, Liebesgeschichte, Spionage, Thriller) gelingt mehr oder weniger problemlos, nicht zuletzt durch die grandiose schauspielerische Leistung bedingt.
AGNOSIA wirkt bedrückend und ist nicht gerade das, was man einen fröhlichen Film nennen würde. Auch eignet sich der Streifen nicht, um sich einfach nur berieseln zu lassen, hier muss man aktiv zuschauen und eigene Schlüsse ziehen. Wer das gerne tut, wird aber einen spannenden, in sich absolut stimmigen Film zu sehen bekommen, der einen auch nach dem Abspann gedanklich noch beschäftigt. So soll es sein!

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