High Kick Girl

Eigentlich klang doch alles sehr viel versprechend. Ein Film mit dem Namen HIGH KICK GIRL und einer FSK 18-Freigabe im Martial Arts-Genre? Muss doch was können, sollte man meinen. Liest man sich den Klappentext durch, denkt man sich vielleicht noch „okay, die Story könnte etwas innovativer sein“, aber dass dieser Film an Action mangeln sollte, das kommt einem bestimmt nicht in den Sinn. Dabei steht doch da ganz deutlich: „Keine Tricks, keine Drähte, keine Spezialeffekte. Newcomerin Rina Takeda zeigt unverfälschte, pure Kampfkunst auf höchster Ebene. Mehr echte Karate-Kunst in einem Film geht nicht!“ Und genau darin liegt der Haken!

Tsuchiya (Rina Takeda) wird von ihrem Meister Sensei Matsumura der schwarze Gürtel vorenthalten, da sie noch nicht verinnerlicht hat, dass Karate eine Verteidigungssportart ist und nicht dem Angriff dient. In ihrem Frust fordert sie den Meister eines anderen Dojos heraus, den sie (mitsamt seinen Schülern) natürlich auch besiegt und dessen schwarzen Gürtel als Trophäe einsackt.
Parallel ist eine Gruppe von Kämpfern, die sich für beliebige Jobs anheuern lassen, unterwegs und zerlegt einen Dojo nach dem anderen. Die „Destroyers“ werden auf Tsuchiya aufmerksam und können sie ganz schnell für sich gewinnen. Doch das eigentliche Ziel der Destroyers ist Sensei Matsumura, denn der Chef der Bande hat mit dem noch eine Rechnung zu begleichen. Voller innerer Ruhe und Ausgeglichenheit kommt Matsumura, um seine Schülerin aus den Fängen der Prügeltruppe zu befreien…

Nach dem Film steht für mich eines fest: ich will Spezialeffekte, ich will Drähte, ich will Tricks in einem Martial Arts-Film haben. Was hier zu sehen ist, mag zwar unverfälschte und Menschen mögliche Kampfkunst in höchster Perfektion sein, sieht dabei aber unglaublich unspektakulär und teilweise nicht einmal gefährlich oder schmerzhaft aus. Wenn ein zartes, siebzehnjähriges Mädchen mit nicht wirklich viel Schwung ihren Fuß am Kopf eines 2m-Muskelmannes abtropfen lässt, und der bricht hinterher gequält schreiend zu Boden, dann sieht das leider nicht actionreich, sondern eher lächerlich aus. Natürlich will ich mir nicht anmaßen zu sagen, dass das alles nicht vielleicht wirklich so schmerzvoll und im wahrsten Sinne des Wortes umwerfend ist, aber nichtsdestotrotz sehen mit Tricks und Drähten und Spezialeffekten überladene Kung Fu-Filme 100x besser aus für das des Sports nicht mächtigen Zuschauerauge.

Regisseur Fuyuhiko Nishi hat mit HIGH KICK GIRL sicherlich einen guten Film gemacht, der den Sportpuristen wie ein Segen vorkommen muss, die sich immer und immer wieder in anderen Filmen anschauen müssen, wie ihre Kampfkunst bizarr durch Tricks verfälscht wird. Dem normalen Zuschauer wird das aber an Action und Spannung nicht reichen, denn der gewohnte Stauneffekt bleibt einfach aus. Zudem verwendet er ein Stilmittel, das einmal sicherlich witzig gewesen wäre, bei einer stetigen Verwendung aber nervig wirkt: die Kampfszenen werden unnötig in die Länge gezogen, indem man jeden einzelnen Tritt und Schlag in der Zeitlupen-Wiederholung darstellt. Bei insgesamt gerade einmal 82min Laufzeit ist das schon ein Armutszeugnis.

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