Shoot Em Down

Wer bei SHOOT ´EM DOWN automatisch an den Streifen „Shoot ´em up“ denken muss, der ist wahrscheinlich genau in die Marketingfalle getappt, die man sich bei der Titelwahl dieses litauischen Streifens überlegt haben mag. Vielleicht ist es aber auch nur Zufall! Kein Zufall dürfte hingegen sein, dass der Film in seiner Machart ganz deutliche Parallelen zu „Pulp Fiction“ aufweist, angefangen bei der Erzählweise in einzelnen Abschnitten, die sich teilweise erst zum Schluss zu einem großen Ganzen zusammenfinden, bis hin zu der anfänglichen Definition von Seifenopern… Ganz egal, wie man es auch betrachten mag: in seiner Machart ist SHOOT `EM DOWN wirklich witzig geworden und durchaus besser, als es der Klappentext einen vermuten lässt.

Im litauischen Filmgewerbe kenne ich mich persönlich gar nicht aus, deswegen kann ich eigentlich lediglich Namen nennen, ohne diesen frühere Werke zuordnen zu können. Unter der Regie von Emilis Velyvis spielen Ramunas Rudokas, Kestutis Jakstas, Zemyna Asmontaite und viele mehr in einem kurzweiligen Film, der sich selbst nicht die ganze Zeit ernst nimmt, teilweise aber auch enorm brutal wird. FSK 18? Ja, definitiv, auch wenn ich bereits härtere Filme aus dem gleichen Genre gesehen habe. Aber allein schon die Selbstverständlichkeit, mit der Waffen als Konfliktlösungsmittel gesehen werden, macht diese Einteilung verständlich. Worum es genau geht? Tja, ganz klar ist einem das hinterher nicht wirklich, aber wie sagt man so schön? Der Weg ist das Ziel!

Zwei Profikiller haben den Auftrag, verloren gegangene Drogen ausfindig zu machen und zu sichern. Der entsprechende Botenjunge, an dessen Handgelenk der Koffer gekettet ist, wurde entführt. Max und Sylvester (so heißen die beiden) machen sich nun auf Spurensuche und befragen die üblichen Verdächtigen. Doch insgesamt ist hier Chaos vorprogrammiert, denn zudem haben die beiden Herren auch noch privaten Stress, den sie mit in ihren Arbeitsalltag hineintragen…

Ganz klar: hier wird von vorne bis hinten adaptiert. Ein gutes, gelungenes Plagiat, keine Frage, aber die Handschrift „Pulp Fiction“ ist hier überall klar zu lesen. Finden wir das nun schlecht? Nein, keinesfalls, denn eben dieser Film gehört zu den absolut besten Streifen, die man in den letzten 20 Jahren zu sehen bekommen hat. Freundlicher Weise wird die Geschichte in eine völlig andere Rahmenhandlung, ein völlig anderes Milieu verfrachtet, und auch der Umgangston ist eindeutig härter als in der Vorlage von Tarantino. Das verleiht der Geschichte einen eigenen Touch und entschädigt dafür, dass sich hier wirklich hemmungslos bedient wurde.

Der Nachteil daran: bei Tarantino wirken die unterschiedlichen, verschachtelten Geschichten, die sich erst später ineinander auflösen, in sich schlüssig, wohingegen man bei SHOOT `EM DOWN gelegentlich das Gefühl vermittelt bekommt, dass hier nun zwanghaft ein Zusammenhang hergestellt werden muss, um der Vorlage treu zu bleiben. Ebenfalls wirken manche Dialoge ein wenig an den Haaren herbeigezogen und dadurch nicht sonderlich glaubwürdig. Alles in allem ist der Streifen aber durchweg unterhaltsam, mit ein bis zwei kleineren Abstrichen. Wer also Pulp Fiction mochte, der wird sicherlich auch bei SHOOT `EM DOWN seinen Spaß haben können. Auf gleiche Augenhöhe schafft es das Team aus Litauen allerdings nicht, was allerdings nicht weiter verwundert: wer will schon gegen Bruce Willis, John Travolta, Samuel L. Jackson & Co. im direkten Vergleich stehen?

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