Warrior

Regisseur Gavin O´Connor inszeniert einen packenden Kampffilm, der sich in der Tradition der Rocky-Reihe insbesondere auf den Kampfgeist der Charaktere konzentriert. Die Kampfszenen selbst sind ebenfalls unglaublich packend, und mit Nick Nolte als abgehalfterter Vater hat man obendrein noch einen Schauspieler in einer Nebenrolle, der mit seinem guten Namen bürgt.

Die Brüder Brendan (Joel Edgerton) und Tommy (Tom Hardy) wurden vor vielen Jahren getrennt, als ihre Mutter den trinkenden Vater Paddy (Nick Nolte) verlässt. Zuvor wurden beide von ihrem Vater in Mixed Martial Arts trainiert.
Brendan ist inzwischen Familienvater und Lehrer, jedoch sieht es finanziell nicht gut aus. Er versucht heimlich, bei Preiskämpfen ein wenig Zubrot zu verdienen, doch auch das reicht vorne und hinten nicht. Als dann ein großes Turnier mit hoher Prämie angekündigt wird, meldet er sich an, um die Verpfändung seines Hauses zu verhindern.
Tommy indes war bei der Armee, ist enttäuscht von Vater und Bruder, da diese sich nie wieder bei ihm gemeldet haben, und auf der Suche nach sich selbst. Er meldet sich ebenfalls für das Turnier an, fragt vorher jedoch seinen Vater, ob der ihn trainieren würde.
Überraschender Weise schaffen es die beiden Underdogs, nach und nach das Publikum für sich zu gewinnen, Tommy durch gnadenlose harte Prügel, die er austeilt, Brendan hingegen ist ein Gentleman im Ring, hat unglaublich gute Nehmerqualitäten und gewinnt seine Kämpfe durch Aufgabegriffe.

Nach Boxen, Karate und Co. hat man nun MMA als die Kampfsportart schlechthin entdeckt, mit der man Geld verdienen kann. Die Kämpfe, die sich durch unglaubliche Brutalität auszeichnen, finden in abgesperrten Käfigen ab, und enden in der Regel entweder durch K.O. oder Aufgabe. WARRIOR zeigt nicht nur die Brutalität dieser Kämpfe, sondern vor allem, wie viel Mut dazu gehört, um in einen solchen Ring zu steigen, und dass trotz dieser Erbarmungslosigkeit beim Kampf selbst eine Menge Respekt zwischen den Athleten dazugehört.

Insbesondere gefällt an WARRIOR, dass man sich sehr schnell mit Brendan identifizieren kann, ohne dabei aber eine Art „Feindbild“ gegen Tom aufzubauen. Beide haben ihr eigenes, persönliches Schicksal, welches sie jeweils menschlich macht. Man versteht die Position von Brendan, dass dieser sich nicht bei seinem Bruder gemeldet hat, versteht, dass er der Meinung ist, nichts falsch gemacht zu haben, aber man hat auf der anderen Seite auch Verständnis für Tom, dass der mit seinem Bruder nichts mehr zu tun haben will. Nach und nach erklärt sich für den Zuschauer auch, warum Tom so verschlossen ist, warum er verbissen kämpft, und womit sich sein Selbsthass erklären lässt.

WARRIOR ist ein absolut spannender Film, der es durchaus mit dem einen oder anderen Rocky-Film in Sachen Spannung aufnehmen kann, ein Film, der unglaublich intensive Kampfszenen zeigt, aber auch eine Geschichte zwischen den Kämpfen zu erzählen hat, die es wert wäre, auch ohne die Kämpfe erzählt zu werden. Wer auf diese Art von Filmen steht, der ist hier bestens aufgehoben. Selten habe ich so sehr bei einem Filmkampf mitgezittert und mit gelitten wie hier. Unglaublich gut!

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