The Chronicles Of Spellborn (PC)

Irgendwie fasziniert es mich, zu sehen, dass trotz der unangefochtenen Allmachtstellung von World of Warcraft immer noch Programmierer ihre Zeit und Publisher ihr Geld darin investieren ein Online-Rollenspiel zu entwickeln und zu veröffentlichen. Kann man bei den Herr-der-Ringe-Versionen noch die Affinität zu Büchern und Filmen als sichere Bank für die benötigte Fangemeinde vorhersehen, so ist bei einem völlig neuen System bzw. einer völlig neuen Welt die Gefahr eines finanziellen Flops recht groß. Daher gebührt THE CHRONICLES OF SPELLBORN auf jeden Fall Respekt für den Mut, den Vergleich David gegen Goliath nicht zu scheuen.

Die Geschichte des Spiels ist, da es sich um ein Online-Rollenspiel handelt, recht schnell erzählt: wir befinden uns in einer Fantasy-Welt, in deren Zentrum ein magischer Sturm tobt. Mit dem Spielercharakter heißt es nun, das Land zu erforschen und diverse Quests zu erfüllen, die im üblichen Rahmen liegen, will heißen: gehe hierhin und besorge jenes, bringe das zum Auftraggeber, töte dieses oder jenes Monster, erforsche das Gebiet, etc. Es wird also der obligatorische Fantasy-Rollenspielbrei durchgerührt, den man zwar schon tausendmal erlebt hat, der aber jedes mal aufs Neue Spaß macht.

Der Spieler kann zwischen neun unterschiedlichen Charakterklassen wählen, die alle ihre Vor-und Nachteile haben, wie es auch üblich ist. Was aber anders ist im Vergleich zu anderen Rollenspielen: das äussere Erscheinungsbild (Rüstungsart, Waffenwahl, etc.) unterliegt keinen Beschränkungen, bietet aber auch keine Verbesserungen in den Bereichen Rüstungsschutz oder Schaden! Wer hier wie ein stark gepanzerter Ritter aussieht mit wuchtigem Breitschwert in der Hand, kann trotzdem anfällig wie ein Embryo sein, dafür ist der harmlos wirkende Bettler vielleicht eine Killermaschine. Einerseits ist das ein witziges Feature, da man sein eigenes Aussehen nun nach den individuellen Vorstellungen eines jeden einzelnen gestalten kann, andererseits birgt dieses aber auch die Gefahr, es mit Blendern oder Tiefstaplern zu tun zu bekommen, abgesehen davon ist ein fast harmloser Ritter, der schon von einem Mückenstich tot umfällt, eher ein zweifelhafter Realitätsfaktor.

Grafisch macht THE CHRONICLES OF SPELLBORN einiges her, man muss sich allerdings auch mit der leicht Comic-artigen Gestaltung anfreunden können. Definitiv ist das Spiel nicht so bunt geraten wie beispielsweise World of Warcraft. Auch im Sound sind gute Ansätze vorhanden, insbesondere der Spielsoundtrack gefällt auf Anhieb und weiß, das Geschehen dezent zu untermalen, ohne sich aufzudrängen. Etwas eintönig wirken dafür manche Effektklänge.

Worauf die Macher besonderen Wert gelegt haben, ist das neuartige Kampfsystem, das in Echtzeit abläuft und den Spielern absolut viele Freiheiten lässt. Das ist auf Dauer manches mal ein wenig stressig, bietet aber ein riesiges Potential, um sich von anderen Spielen abzusetzen. Zu diesem Kampfsystem gesellt sich noch eine rotierende Fertigkeitsleiste, durch die man viele unterschiedliche Taktiken miteinander kombinieren kann, um die Vielzahl an Gegnern klein zu kriegen. Natürlich besteht auch die Möglichkeit, sich 1:1 mit anderen Spielern zu messen oder zu Parties zusammenzuschließen.

Damit ihr dieses Spiel genießen könnt, benötigt ihr einen mittelmäßig stabilen Rechner mit XP oder Vista, der mindestens mit 2 GHz getaktet sein und auf 1GB RAM zugreifen können sollte. Direct X 9.0c oder höher sowie eine Grafikkarte mit 128MB müssen ebenfalls her, sowie satte 12GB Festplattenspeicher. Logisch: eine Breitband-Internetverbindung ist für ein Online-Rollenspiel zwingend erforderlich!
Das sind allerdings im Vergleich zu anderen aktuellen Titeln eher verhältnismäßig geringe Anforderungen an eure PC´s. Kommen wir zu den unerfreulichen Dingen dieses Titels:
Zwar ist das Spiel in der Anschaffung mit knapp 15.- Euro sehr benutzerfreundlich günstig und bietet einen Freimonat Spielzeit, für jeden weiteren Monat, den ihr euch online herumtummeln wollt, blättert ihr aber (je nach Gesamtdauer) zwischen 11-13 weitere Euros pro Monat auf den Tisch. Online MMOG-Spieler sind halt etwas ganz exklusives, und die Serverleistungen wollen eben auch bezahlt werden.

Alles in allem macht THE CHRONICLES OF SPELLBORN einen soliden Eindruck und dürfte für alle die, die mal eine Alternative zu World of Warcraft suchen, recht schnell zu einem Geheimtipp werden. Wer allerdings nur ab und zu mal spielen möchte, ist sicherlich mit anderen Titeln, die keine monatlichen Grundgebühren kosten, besser bedient.

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