Edgar Allan Poe: 26 – Die Flaschenpost

„Ein namenloses Gefühl hat von meiner Seele Besitz ergriffen – eine Empfindung jenseits meines Verstandes, nicht zu erklären durch die Erfahrung der Vergangenheit und, so fürchte ich, auch von der Zukunft nicht zu entschlüsseln.“
Wie schafft man den Einstieg in eine Serie, die schon seit 25 fortlaufenden Folgen spannend, verwirrend und rätselhaft ist? Die Antwort ist recht einfach, jedoch nicht unbedingt das, was mancher hören will: man fängt vorne an! Die Serie EDGAR ALLAN POE, soviel sei verraten, ist rein fiktiv, dreht sich um jemanden, der sein Gedächtnis verloren hat, scheinbar aber der tot geglaubte Dichter Poe ist und der, je mehr er von seiner Vergangenheit erfährt, lieber dieses Wissen nicht haben wollen würde. Jede Folge ist entfernt auf eine Geschichte des Dichters adaptiert, ohne nur diesen Inhalt wiederzugeben. Das rundum gelungene Paket wird durch ein edles Coverartwork sowie einen Titelsong von Christopher Lee (in früheren Folgen Heinz Rudolph Kunze) komplettiert.
Der Anspruch dieser Hörspielreihe liegt im Vergleich zu anderen Reihen deutlich höher, wird aber insbesondere durch eine mehr als herausragende Leistung von Hauptdarsteller Ulrich Pleitgen von Folge zu Folge ein immer größeres, unheimliches Vergnügen. Es wird an dieser Stelle nochmals deutlich nahe gelegt, die Reihe von Beginn an zu hören, denn sonst fehlen einfach die essentiell wichtigen Hintergrundinformationen. Was in ‚Die Flaschenpost’ passiert, erfahrt ihr jetzt:

Endlich weiß Poe, dass er tatsächlich der für tot geglaubte Schriftsteller ist. Dr. Templeton hat ihm sein Gedächtnis geraubt und dann in die Welt entlassen. Nun sitzt dieser selbst in einer Nervenheilanstalt. Poe will sich ein letztes mal von ihm verabschieden, daher besucht er ihn in seiner Zelle. Doch Templeton sieht von Säure und Ratten zerfressen nur noch wie ein Schatten seiner selbst aus. Poe wähnt sich vor ihm in Sicherheit. Der Nachfolger der Anstalt will für die Insassen die bestmögliche Behandlung ermöglichen. Bei seinem Besuch kommen Poe und der Arzt auf den verschwundenen Insassen der Anstalt zu sprechen, der ebenfalls Poe hieß, und dass er selbst mit dem Dichter erstaunliche Ähnlichkeit aufweisen würde. Ihm wird klar, dass er seine wahre Identität niemals ausleben können würde, da die Welt ihn für tot hält und er in die Irrenanstalt zurückgeschickt werden würde, wenn er auf die Wahrheit bestehen würde.
Für den Start in ein neues Leben fragt er Leonie, ob sie ihn heiraten wolle. Optimistisch geht er weiter, statt sich seiner Vergangenheit zu stellen, und sie planen, New York Richtung England zu verlassen. Sie wollen sich allerdings zunächst von Pater O´Neill verabschieden. Vor der Kirche finden sie zwei frische Gräber, deren Aufschrift die Namen von Anna und Captain Hardy, ausser ihnen die beiden einzigen Freunde vom Pater. Die Kirche ist mit einer Kette verschlossen.
Ihre Abfahrt verzögert sich ungeplant um vier Wochen, da sie keine freien Passagen auf einem Schiff erhalten. Gefrustet versucht Poe, ob der Gedächtnisverlust auch sein dichterisches Talent beeinflusst hat, da hilft ihnen der Zufall. Auf einer Schiffsreise am Folgetag sind zwei Passagiere krankheitsbedingt ausgefallen. Poe und Leonie greifen zu und befinden sich kurz darauf auf dem Schiff nach England. An Bord treffen sie auf Mr. Karolin, welcher ebenfalls Schriftsteller ist. Kurz darauf bricht er beim Essen zusammen, und das Schiff geht an einer Insel zu Anker, um einen Arzt an Bord zu lassen. Die gesamte Besatzung wird für zwei Wochen unter Quarantäne gestellt. Angeblich ist Karolin zwar schon geraume Zeit krank, aber dem Ausbruch der Krankheit wurde mit Gift nachgeholfen. Vor Anker liegend, fischt Poe eine Flaschenpost aus den Wellen und versucht, dies als Ausgangsidee zu einem ersten Schreibversuch zu verwenden…

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