Camelot

Mal wieder die Arthus-Saga? Ja und nein, bin ich gewillt zu sagen. In CAMELOT wird zwar die obligatorische Geschichte von Zauberer Merlin, dem anstrebenden König Arthur, seiner Halbschwester Morgan, dem berühmten Schwert-aus-dem-Fels-Ziehen etc. erzählt, aber alles ein wenig anders, als wir das bislang kannten. Insgesamt wirkt diese Fassung deutlich erwachsener, weniger wie ein Märchen, und es gibt ein paar Besonderheiten, die mich positiv überrascht haben.
Im 5. Jahrhundert, irgendwo in England: die junge Morgan, Tochter von König Uther, sinnt auf Rache dafür, dass Ihr Vater seine Mutter beseitigen ließ, um mit seiner neuen Königin zusammen sein zu können. Da Morgan das schon früh erkannt hat, wurde sie in ein Kloster gebracht. Doch nun, als erwachsene Frau, kommt sie zurück, und vergiftet ihren Vater, um als offizielle Thronerbin als neue Königin eingesetzt zu werden. Hierfür holt sie sich die Hilfe von König Lot, der bereit ist, sie zu ehelichen um ein Bündnis einzugehen und seine Macht zu erweitern.
Doch der Zauberer Merlin hat eine Überraschung parat. Vor vielen Jahren half er dem König Uther, seine neue Königin zu täuschen und zeugte bereits vor seiner Ehe mit ihr einen Sohn, den Merlin verschwinden ließ: Arthur. Und mit Arthur ändert sich auch die Erbreihenfolge, denn nun ist er der rechtmäßige Thronfolger. Doch Arthur, der anfänglich erst einmal gar nicht an sein Schicksal glauben will, benötigt erst einmal ein Gefolge, um gegen König Lot zu bestehen…

Fangen wir mit einfachen Qualitätsmerkmalen an: Joseph Fiennes als Merlin macht einen Superjob, ebenso Eva Green als Morgan. James Purefoy hat einen ebenfalls stimmigen Auftritt als King Lot, hat aber im Endeffekt keine langfristige Rolle. Hauptdarsteller Jamie Campbell Bower, der den Arthur spielt, hat hingegen ein paar kleinere Probleme, die Rolle vollkommen überzeugend zu transportieren. Der junge Arthur trifft einfach zu viele Fehlentscheidungen und handelt oftmals impulsiv und unbedacht. Das sind sicherlich Dinge, die so aus dem Drehbuch hervorgehen und entsprechend auch so gespielt werden müssen, warum er aber ein so treues Gefolge hat, entzieht sich dem Verständnis des Zuschauers.

Bild und Ton der Mini-Serie, die auf zehn Folgen beschränkt ist, liegt auf einem unheimlich hohen Niveau. Die schauspielerischen Leistungen der meisten Akteure sind gut bis sehr gut, und die Neuinterpretation der Arthus-Saga gefällt ungemein gut. Nicht, dass es direkt vergleichbar wäre, aber man denke an den 80er-Jahre-Robin Hood-Serienansatz und transportiere die Ernsthaftigkeit und Mystik dieser Fassung im Vergleich zum sonst sehr romantisch angehauchten Robin Hood auf die Arthus-Saga, dann kann man sich in etwa vorstellen, wie überzeugend diese Serie ist. Sei es ein Merlin, der keinesfalls die typischen Rauschebart-Magier-Klischees erfüllt, oder der Gedankenansatz, dass es keine Unterscheidung bei Zauberei in gut oder böse gibt, sondern Magie grundsätzlich eigentlich nur dunkle Folgen haben kann.
Schade, dass nach 10 Episoden schon alles vorbei ist, aber zumindest hat man sich indirekt die Option offen gehalten, noch einmal eine zweite Staffel hinterher zu schicken. Uns würde es freuen, wenn es soweit kommt, denn CAMELOT hat uns durchweg überzeugen können!

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