Interview: 5Bugs

5BugsNach 11 Jahren, 4 Alben und unzähligen Shows verabschieden sich die 5Bugs! Das finden wir schade, nehmen es aber zum Anlass zum großen Goodbye-Interview auszuholen. Bassist Daniel steht Rede und Antwort zu Rückblick, Reflexion und Ausblick…

„Manchmal muss man auch weiter gehen und neue Dinge ausprobieren.“ Das sind die einzigen Worte dazu, was euch zur Trennung bewegt hat. Aber deswegen hört man doch nicht mit seinem besten Album auf! Ein paar mehr Worte seid ihr da doch schon noch schuldig…

Ah, die Presse schmiert einem Honig um’s Maul (bestes Album), damit man die schmutzigen Details auspackt. Es ist etwas komplex und doch so unspektakulär, nach so langer Zeit fehlt in einigen Bereichen vielleicht einfach die Motivation, die Perspektive und vielleicht auch der gemeinsame Nenner. Wir sind mit dem letzten Album musikalisch super zufrieden und haben Live nach wie vor wirklich sehr viel Spaß, aber wir fühlen einfach – es ist der Zeitpunkt gekommen etwas Neues zu machen. Einfach mal Dinge nicht wie in den letzten elf Jahren zu machen und dazu gehört es wohl auch, es nicht mehr als 5BUGS zu machen und auch nicht mehr gemeinsam.

In einem Interview habt ihr mal gesagt „Man glaubt sehr an seine Arbeit. Wenn man dann aber wiederholt enttäuscht wird, ist einfach irgendwann schwierig immer und immer wieder diese Euphorie aufzubauen.“ Worin bestand denn die Enttäuschung?

Da wir uns ja nicht nur um unser Songwriting kümmern, sondern auch unsere Alben selbst produzieren, aufnehmen und veröffentlichen hängt da eine ganze Menge drinnen. Nicht nur viel Arbeit, sondern auch Geld. So ist man zwar in der glücklichen Position jede Entscheidung selbst treffen zu können, aber auch jeder Fehler und jede Enttäuschung fällt auf die Band direkt zurück, ohne Buhmann dazwischen. Enttäuschend war nicht unser Album oder irgendwelche Verkaufszahlen, sondern vielleicht mehr das Verhältnis zwischen der Arbeit, die wir reingesteckt haben und dem was am Ende, auch finanziell und an Aufmerksamkeit, dabei rausgekommen ist. Und da fällt es einem schwer, sich all das wieder aufzubürgen und all die Arbeit ein weiteres mal reinzustecken.

Ihr habt – nicht zu letzt mit dem Artwork von „Vora City“ – immer viel Aufwand für Aufmachung und das Drumherum betrieben. Eigentlich die besten Argumente, CDs doch zu kaufen anstatt illegal runterzuladen. Eine wie große Rolle habt die Entwicklung der Musikinsdustrie auf die Band gehabt? Habt ihr bewusst reagiert oder gegensteuern müssen? Musstet ihr in den letzten Jahren Dinge gundlegend anders machen als vor 10 Jahren?

Die Entwicklung der Musikindustrie spielte sicherlich auch für uns eine große Rolle, alleine die Tatsache, dass wir mit jeder Veröffentlichung weniger Alben verkauft haben, gleichzeitig aber mehr Menschen auf unseren Konzerten auftauchten und wir auch mehr Presse bekommen haben, spiegelt ja wider, dass es mit dem CD-Verkauf nicht mehr getan ist. Wir haben insofern darauf regiert, dass wir versucht haben den Fans etwas sehr persönliches und einmaliges mit unseren Alben zu bieten (persönliche Widmungen, DVD uvm.). Grundlegend gilt aber auch nach elf Jahren für uns – mach eine gute Platte, das ist definitiv das Wichtigste und war immer unser Ansporn.

Ihr habt mit Labels veröffentlich und auch auf eigene Faust. Was nehmt ihr für Lehren aus dem Musikbusiness mit? Braucht man heute überhaupt noch Labels?

Ob man ein Label braucht lässt sich mit einem Ja oder Nein definitiv nicht beantworten. Labels, wie sie vor 10 – 15 Jahren bestanden, gibt es so nicht mehr. Sowohl die Indie- als auch die Majorlabels wollen viel mehr Rechte von einem und wer Geld investiert wird dir auch immer reinreden, aber sie können dir definitiv Türen öffnen, die du manchmal alleine nicht aufbekommst. Andererseits brauchst du ihre Strukturen nicht mehr zwangsläufig, der physische Musik-Verkauf wird immer unwichtiger und es ist kein Problem heute als Band einen Deal mit einem Vertrieb abzuschließen.

Gab es Entscheidungen oder Aktionen mit denen ihr heute unzufrieden seid, weil ihr euch für gewisse Ziele verstellen musstet?

Nein, wir haben das Angebot in „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ aufzutreten abgelehnt, haben auch sonst immer Entscheidungen gefällt, hinter denen wir zu diesem Zeitpunkt voll und ganz standen. Klar gibt es Dinge, die man heute anders machen würde, aber wir haben nie etwas getan, wofür wir uns verstellen mussten. Fehler gemacht – ja, verkauft – nie!

Wenn ich mich nicht verzählt habe, habt ihr ziemlich genau 50 verschiedene Songs rausgebracht, hat man da einen Lieblingssong? Vielleicht auch unterschieden zwischen live und auf CD?

Ich müsste auch nachzählen, aber es könnte stimmen. Der Lieblingssong verändert sich immer mit der Zeit. Gerade wenn man ein Album aufnimmt, gibt es Songs, die man auf der CD total stark findet, aber live gar nicht so gerne spielt und auch andersherum. Unser derzeitiger Lieblingssong ist vielleicht „all we’ve ever had“, weil er viel Energie hat und wir ihn live selber sehr abfeiern.

Welches Album von euch hörst du auch in 10 Jahren noch gern? Welches weniger?

Ach in zehn Jahren, wenn man nach langer Zeit mal wieder eins der Alben rauskramt, hört man glaube ich alle gerne und dank des Internets und Dingen wie Spotify sind wir vielleicht auch ein bisschen unsterblich geworden. Denn das Internet vergisst schließlich nie und vielleicht bleiben wir auch ein paar Leuten da draußen in guter Erinnerunng.

Beste Show der Karriere?

24.11.2012 Berlin – C-Club. Die letzte Show, nicht weil wir froh sein werden das es vorbei ist, sondern weil sie mit so viel Emotionen bei der Band, bei der Crew und beim Publikum aufgeheizt werden sein wird. Ich denke diese Show wird niemand von uns vergessen und hoffentlich auch niemand, der dabei war.

Was war die schlimmste Show eurer Karriere?

Rock am Ring – wir haben dort die Nacht vorher einer kleinen Backstage-Party beigewohnt, so dass wir auf der Bühne dann vor allem damit beschäftigt waren, uns möglichst nicht zu übergeben.

Jetzt habt ihr ja nichts mehr zu befürchten: Welche Band, mit denen ihr zusammen gespielt habt, war so richtig scheiße und arrogant? Alternativ: welche Band waren die besten Sitznachbarn im Bus?

Ich befürchte wir waren selbst die arroganteste Band, da bin ich mir sogar ziemlich sicher. Ansonsten hatten wir oft viel Glück und haben uns ja meist die Vorbands ausgesucht und wenn man eine ganze Tour zusammen fährt, entsteht etwas ganz besonderes. Wirklich unglaublich nette Menschen gibt es in Dänemark, die Pinboys und auch die Broadway Killers lieben wir einfach und wir freuen uns, sie noch zwei mal mit dabei zu haben. Wirklich was gelernt haben wir als Support von „The Subways“ – diese Energie wollten wir live auch unbedingt rüberbringen, da haben wir uns was abgeschaut.

Ihr habt immer andere Bands mit auf Tour genommen und so gepusht. Wer nimmt jetzt – wenn es nach euch geht – den freien Platz in Deutschlands Rocklandschaft ein?

Ob wirklich jemand in diese mächtigen Fußstapfen treten kann ist fraglich – aber wir haben in letzter Zeit die unglaublich guten und auch noch symphatischen Hurricane Dean kennengelernt, die man unbedingt im Auge behalten sollte.

Euer 2. Album war lange nicht mehr so Skatepunkig, wie eurer Debut. „Best Off“ war sehr poppig. Es machte ein bisschen den Anschein, als hättet ihr das Streben nach Popstarsein mit „Vora City“ doch wieder hinter euch gelassen. Überlegt man sich die Entwicklungen von Album zu Album immer vorher, oder kam das einfach so?

Du hast schon recht, mit dem Best Off Album wollten wir tatsächlich ein wenig an der pop-Welt schnüffeln… Wir haben Dinge ausprobiert, die wir so bis dahin nicht gemacht haben und wollten sehen ob es funktioniert. Bei Vora City haben wir uns wieder mehr auf das konzentriert, was uns richtig spaß macht und was wir vielleicht auch am Besten können. Wir wollten dem ganzen außerdem eine klarere Linie geben und möglichst keine Kompromisse eingehen.

Habt ihr euch 5Bugs, wie sie heute sind, vor 11 Jahren so vorgestellt? Seid ihr zufrieden? Habt ihr erreicht, was ihr wolltet?

Vor 11 Jahren haben wir uns das so definitiv nicht vorgestellt. Aber das ist auch egal, wir leben hier und jetzt und wir sind definitiv zufrieden mit dem was wir erreicht haben. Wir haben viele Bands in diesen 11 Jahren getroffen und die meisten können nicht mal ansatzweise das aufweisen, was wir erreicht haben. Wir sind alle sehr glücklich das gemeinsam erlebt zu haben.

Ihr habt bald die ganze Chose hinter euch. Was würdet ihr jungen Bands raten, die sich jetzt – vielleicht weil sie eure Songs gehört haben – gründen und hoch hinaus wollen?

Reel Big Fish haben einen Song namens „Don’t start a Band“ geschrieben, in dem ein paar wertvolle Tipps gegeben werden. Aber ganz ehrlich – es geht um Musik und um Leidenschaft, scheisst auf Trends und die Musikindustrie, macht es so wie ihr es gut findet, nur wenn es echt ist wird es geil!

Was macht ihr ab dem 25.11.2012? Werdet ihr außerhalb des Musikzirkus “neue Dinge ausprobieren“? Habt ihr die Schnauze voll? Oder gibt es bald Bandinfos à la „ehemals 5Bugs…“?

Das mit „neue Dinge ausprobieren“ hat sich durchaus auch auf den Musikzirkus bezogen, wir sind alle Musiker mit Leib und Seele und viel zu alt um jetzt noch einen anständigen Beruf zu erlernen, daher wird jeder auch weiterhin Musik machen. Das „ehemals 5BUGS…“ werden wir dabei aber eher weg lassen.

Kommen die 5Bugs in 5 Jahren wieder?

Vielleicht wenn in fünf Jahren die ganze Kohle verprasst sein sollte – man weiß es nie. Es ist aber nichts geplant.

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