Da warens nur noch neun

Klassiker-Kino auf Hochglanz poliert. Der Film DA WARENS NUR NOCH NEUN ist hierzulande eigentlich unter einem anderen Namen bekannt geworden, da „Zehn kleine Negerlein“ aber politisch nicht korrekt ist, hat man diesen Schritt gewählt. Irreführend ist das dennoch, denn in der Synchronisation wird ja trotzdem die gesamte Zeit von zehn kleinen Negerlein gesprochen. Skurriler Weise hieß das Buch im Original „Ten little Indians“, was auch die Verwendung von Indianerfiguren statt „kleiner Negerlein“ im Film erklärt. Aber egal, wie man es nennt: es bleibt ein spannender Krimi, der schon 1965 gedreht wurde und im typischen Agatha-Christie-Flair begeistert, auch wenn hier keine Miss Marple zu sehen ist.
Auf einem abgelegenen Bergschloss, das nur durch eine Gondel erreichbar ist, treffen sich acht Leute, die von einem Bediensteten-Ehepaar begrüßt wird. Der Gastgeber, I.R. Gendwer, entschuldigt sich zunächst. Später dann, seine Gäste sind bereits am Dinieren, kommt der große Paukenschlag: Mr. Gendwer beschuldigt die Anwesenden allesamt unterschiedlicher Morde (er tut dies über ein Tonband) und teilt ihnen mit, dass sie dafür die Todesstrafe erfahren würden, einer nach dem anderen. Und so dauert es auch nicht mehr lange, bis der erste Gast stirbt. Ein Gedicht von zehn kleinen Negerlein (bzw. wenn man genau hinschaut von „Ten little Indians“), welches gerahmt in mehreren Zimmern des Hauses hängt, scheint die jeweilige Todesursache des nächsten Opfers zu benennen, und ein dekorativer Teller mit zehn Indianerfiguren dient als Counter, denn schon bald fehlen einzelne Figuren. Nach einer strukturierten Durchsuchung des gesamten Hauses steht fest: der Mörder ist unter ihnen, und so beginnt ein gegenseitiges Katz-und Mausspiel, bei dem jeder jedem misstraut. Je weniger Überlebende es gibt, umso kleiner wird entsprechend auch der Kreis der Verdächtigen. Wer hat hier die Fäden in der Hand, und vor allem, warum müssen die einzelnen Leute sterben? Sind die Anschuldigungen etwa wahr?
Regisseur George Pollock lieferte hier ein spannendes Meisterwerk ab, das ziemlich gut überarbeitet wurde und richtig gut aussieht, obwohl es bereits fast sechzig Jahre auf dem Buckel hat. Abgesehen von Mario Adorf dürften die restlichen Schauspieler (u.a. Hugh O´Brian, Shirley Eaton, Fabian, …) inzwischen nicht mehr ganz so bekannt sein. Schön, dass Koch Media sich solch toller alter Klassiker annimmt, um diese in ordentlicher Qualität auf DVD zu veröffentlichen. Es müssen nicht immer Hollywoods Special Effects sein, die ohne Frage Bombastkino abliefern, manchmal reichen auch minimale Effekte, um einen in ihren Bann zu ziehen, vorausgesetzt, die Geschichte stimmt, und das kann man von diesem Agatha Christie-Roman ohne jeden Zweifel behaupten! Krimispaß zum Mitraten!

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