Highfield 2013 – Ein Erfahrungsbericht

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Es ist Mitte August, die erste Kaltschale spritzt auf einer Raststätte der A2 und alle sind guter Stimmung. 2 Stunden später heißt es: Hallo Großpösna. Hallo Highfield 2013! Schon am Donnerstag Nachmittag sieht man den Parkplatz schnell Auto für Auto wachsen. Das Highfield ist eine ostdeutsche Festivalinstanz, zu der die Leute nicht nur wegen der Bands kommen.

Auf dem lagen Weg zu unserem Zeltplatz wird klar, dass die Veranstalter am bewährten Geländeplan grundsätzlich festgehalten haben. Die große Greenstage, die etwas kleinere Bluestage, Getränkeinseln, Food-, Info- und Klamottenstände, sowie der Free-Fall-Tower. Eine gute Mischung. Hinzu kamen diverse Walking Acts wie drei Männer jeweils in einen Farbtopf gefallen, eine Parade aus vier Mittelerde-Metall-Schlitten und undefinierbar mehr. Dass diese gebuchte Attraktionen und nicht einfach verrückte vom Eskallationszeltplatz waren, ist mir persönlich erst in der Pressemitteilung vom Highfield aufgefallen. Zwischen all den Morphsuits und Tierkostümen mancher Festivalbesucher machten sie sich eigentlich recht gut.

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Unsere Wahl fiel zum zweiten Mal auf das Green Camping. Es bedarf einer kostenlosen Anmeldung, mit der man sich zur Rücksicht gegenüber Umwelt und Mitmenschen verpflichtet. Ergo: ein sauberer Zeltplatz, die Klo- und Duschwagen werden von wesentlich weniger     Menschen benutzt und nicht unsäglich zugeschissen. Zumindest war das 2012 der Fall. 2013 wurde der Green Camping Bereich deutlich vergrößert. So kam es auch hier zu Schlangen vor Toilettenwagen und Sanitären Anlagen – schade. Am Sonntag haben wir eine Runde über den normalen Zeltplatz gemacht. Sightseeing so zu sagen, denn was man hier sehen, hören, riechen oder schlussfolgern kann, lässt das Green Camping tatsächlich spießig erscheinen. Trotzdem, oder gerade deswegen werden wir wieder grün Campen – eine gute Sache. Übrigens: auch hier wird Flunkyball gespielt, Musik gehört und lauthals gefeiert. Man sitzt dabei nur eben nicht mit Hörsturz im Abfall.

Freitag um 16 Uhr eröffneten SDP dann den musikalischen Teil des Festivals. Die Stimmung vor der Bühne war ausgelassen, die Beats drückten bis auf den Zeltplatz. Wer den Auftritt verpasst hat bekam über CampFM (den Highfield eigenen Radiosender) das ganze Wochenende die nötige Ladung SDP auf Heavy Rotation. Die Stimmung steigerte sich über Royal Republic zu Flogging Molly, bevor die Parov Stelar Band das Highfield in eine große Tanzfläche verwandelte. Heaven Shall Burn – von mir sehnsüchtig herbei gefiebert – enttäuschten dagegen regelrecht. Oder besser: ihr Können war kaum zu hören. Von der Bühne kam nicht viel mehr als (leiser) Brei. Da halfen auch die beeindruckenden Feuersäulen nicht. Leider waren noch einige andere Bands merkbar leise gemischt.

highfield_2013_2_296Nach Deutschlands Hardcore-Metal-Sperspitze kann nur eins kommen: Silbermond. Zumindest beim Highfield 2013. Das Line-Up war noch vielseitiger als in den letzten Jahren. Zwischen Metelcore (We Came As Romance) und Chartpoprock (Jennifer Rostock) lag oft nur eine kurze Umbaupause. Ebenso zwischen älteren Herren mit Lagefeuerwitz (Monsters Of Liedermaching) und rotzigem Punk-Hardcore aus den Staaten (The Bronx). Von bluesigem Springsteen-Rock (The Gaslight Anthem) konnte man ruhigen Gewissens zu tanzbarem Hip Hop von Left Boy wechseln. Oder von Pennywise zu Cro, zurück zu Bad Religion um dann mit Deichkind zu raven. Vielleicht ist dieser Mix der Geheimnis hinter der äußerst ausgelassenen und entspannten Stimmung. Oder es liegt daran, dass man zu einem großen Anteil auf alte Bekannte trifft. Viele Bands waren schon mehrmals beim Highfield: NOFX, Mad Caddies, Gaslight Anthem, Die Ärzte, Billy Talent, Royal Republic, Madsen, The Bronx, Jennifer Rostock…

highfield_2013_2_119Gerade deshalb ist es bemerkenswert: selbst bei den ersten Bands am Sonntag – quasi kurz nach dem letzten Ton aus dem Partyzelt – waren die Plätze mindestens passabel gefüllt. Die Entfernung der Bühnen zueinander lies es zu, dass ein Großteil der Zuschauer pendelte. Ein offeneres und höflicheres Publikum habe ich selten gesehen. Dieses Publikum kürte dann auch – unabhängig von der Spielzeit – seine ganz persönlichen Headliner der zweiten Reihe. Was Royal Republic am Freitag war, übernahmen Madsen am Sonntag noch deutlicher. Ein rappel-voller Platz, jedes Wort mindestens 3000-stimmig, jeder Refrain aus voller Kehle. Die Band gab zu (und ich bestätige), an dieser Stelle vor 2 Jahren eine ihrer schönsten Festivalshows gespielt zu haben. Damals bei einem romantischen Sonnenuntergang. In diesem Jahr hatten sie etwas mit dem Wind zu kämpfen. Schlimmeres Erkältungswetter hatte eigentlich nur Thees Uhlmann, der kurzfristig für den erkrankten Frank Turner einsprang. Was das Publikum mindestens so positiv aufnahm wie der Nordniedersachse selbst. Schließlich sprang er, nach eigener Aussage, für einen seiner „absoluten Lieblingskünstler“ ein.

Zurück zum Wetter: Der Sonntag war wechselhaft, die Abreise am Montag verregnet. Ansonsten war bestes Festivalwetter bei 25-28°C und Sonnenschein. Wir nahmen die Abkühlung im See täglich. Der Badebereich wurde großzügig erweitert und mit Beachvolleyballfeld, Cocktailständen, DJs und Bananaboat noch mal ordentlich attraktiver gestaltet. Das Beste ist und bleibt aber der verkaterte Sprung ins kalte Wasser.

Nach 3 Tagen, einigen positiven Überraschungen (Left Boy und SDP tanzbarer, Cro sympathischer, Bad Religion fitter und Madsen noch mitreißender als erwartet), einigen Enttäuschungen (Heaven Shall Burn zu schlecht gemischt, Frank Turner krank) und vielen sicheren Nummern (The Gaslight Anthem unspektakulär großartig, Jennifer Rostock mitreißend und pubertär-verrucht, Deichkind wild und Die Ärzte göttlich eingespielt), viel Spaß und jeder Menge schöner Erinnerungen sitzen wir am Montagmorgen wieder auf der Autobahn. An der Raststätte gibt es diesmal Kaffee.

Fotos: Viktor Schanz

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