Placenta – Missgunst und Neid (Noizgate Records)

placenta_missgunst_und_neid„Missgunst und Neid“ schimpft sich das neue Album der fünf Berliner Jungs, die bei dem Bielefelder Label Noizgate Records unter Vertrag sind. Es ist die mittlerweile fünfte Studioproduktion der Metalkapelle. Ohne das ich jetzt schon zu viel vorwegnehmen möchte, das neue PLACENTA – Album ist mehr als nur eine billige Ami – Trendcore Produktion, aber alles zurück auf Anfang. Angefangen als kleine Punkband, sind PLACENTA inzwischen zu den großen der …-Core Szene geworden.

Unzählige Gigs und Touren sprechen da eine ganz eigene Sprache. Und so aufregend und abenteuerlich, wie die letzten 10 Jahre für die Band waren, ist die neue Scheibe „Missgunst und Neid“ für mich. Eine interessante Neuerung zu den Vorgängeralben, PLACENTA haben sich Lyric-technisch ihrer Muttersprache zugewandt, was zwar durch Bands wie Caliban oder WBTBWB nichts absolut Neues mehr ist, aber man erlebt eher selten, dass eine Band mehrere Alben auf Englisch veröffentlicht und sich dann plötzlich für eine andere Sprache entscheidet.

Die Entscheidung auf Deutsch zurückzugreifen war keineswegs verkehrt. Die Texte sind gut durchdacht und wirken in keinem Moment irgendwie peinlich oder lösen eine „Fremdschäm-Reaktion“ aus. Die Shouts und Gang-Shouts sind super sauber und müssten auch für einen Laien, der nicht aus dieser Szene stammt, ohne Probleme zu verstehen sein.

Der Opener des Albums ‚Schlafe Los‘, hält nichts von Spannungskurven und geht gleich auf die Vollen, muss nicht unbedingt positiv sein, doch hier haben PLACENTA voll ins Schwarze getroffen. ‚Schlafe los‘ ist ein von Anfang bis Ende gelungener Track. Mir gefällt besonders der Kontrast zwischen Scheibenzerberstenden Moshparts und genialem Melodischem Clean – Gesang, der aber leider in der Wucht der meisten Riffs ein wenig untergeht, da die Stimme an so mancher Stelle recht dünn klingt. Die Instrumentalparts sind alles andere als eintönig und lassen auch nach hundertfachem hören keine Langeweile zu. ‚Jure Joskan‘ und ‚Tanzt‘ sind hingegen zwei Songs, die geschrieben wurden, um auch den letzten Tanzmuffel dazu zu bringen, sich zu bewegen.

Kurz gefasst, wirkt das Album im Vergleich zu seinen Vorgängern ausgereifter und zielt lyrisch auch auf einen gewissen Inhalt hin, der viel Platz für eigene Interpretationen lässt. Nicht jeden Song kann man unbedingt zu 100 % ernst nehmen, aber das muss man auch nicht. Der Gesang stimmt, das Songwriting stimmt, das Instrumentale stimmt. Das Gesamtpaket ist nahezu perfekt. „Missgunst und Neid“ gehört in die Plattensammlung eines jeden Mosh-Begeisterten.

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