Yu-Gi-Oh! Millennium Duels (Konami)

yu-gi-ohVielleicht ist es absolut blauäugig gewesen, dieses Testmuster anzufordern. Yu-Gi-Oh, das kenne ich lediglich als Display direkt neben Pokemon und Magic-The Gathering-Karten. Dass die Karten allesamt irgendwie ähnlich aufgebaut sind, hat man vielleicht auch schon so am Rande mitbekommen, und dass es auf einem Manga basiert, okay, zwei gesunde Augen im Kopf reichen für diese Einschätzung aus. Als alter Hase bei Magic-The Gathering und als Quereinsteiger über den Junior bei Pokemon war ich also der Meinung, ich würde völlig problemlos in YU-GI-OH MILLENNIUM DUELS finden. Weit gefehlt.

Das Spielprinzip ist hierbei allerdings mehr oder weniger identisch: Zwei Kontrahenten spielen gegeneinander mit ihren eigenen Decks (so nennt sich die Zusammenstellung der Karten), es werden Kreaturen ausgespielt, es gibt Items und Fallen. Das Prinzip ist also zumindest vom Ablauf her fast identisch. Jetzt kommt aber der Haken daran: angreifende Kreaturen greifen immer nur die gegnerische Kreatur an, ohne dass man selbst als Spieler steuern könnte, ob diese vielleicht bis zur nächsten Runde geschont werden soll oder ähnliches. Sämtliche Angriffspunkte, die die Angreifende Kreatur mehr hat als der Verteidiger Verteidigungspunkte, werden als Schaden auf den Spieler heruntergerechnet, die verteidigende Kreatur ist futsch, und der Schaden an der angreifenden Kreatur wird wieder auf Null gesetzt.

Da man aber zum Aufleveln auf eine höherwertige Kreatur MEHRERE Kreaturen einer bestimmten Stufe benötigt, ist hier das Spiel ganz schnell eine Qual, denn einmal in Rückenlage geraten, ist es enorm schwer, das Ruder wieder herumzureißen, vor allem, wenn der gegnerische Spieler von Beginn an mit einer Superkreatur spielt. Bei Pokemon gilt ja wenigstens die Devise „mühsam ernährt sich das Eichhörnchen“, indem der verursachte Schaden am Angreifer, so klein er auch sein mag, erst einmal bestehen bleibt, und bei Magic habe ich die Wahl, ob ich die Kreatur wirklich als Verteidiger einsetzen will oder nicht…

Hier werde ich vom Spiel (bzw. vom Regelwerk) bevormundet, kann nichts dagegen tun, außer vielleicht zu hoffen, dass ich eine passende Falle habe, die den Angreifer schwächt bzw. den Verteidiger stärkt, oder aber dass ich bei Zeiten eine ebenbürtige Kreatur ausspielen kann… Habe ich eine solche nicht dabei, ist das Spiel unweigerlich auf verlorenem Posten.

Zur Hintergrundstory des Yu-Gi-Oh-Universums erfährt man im Spiel nichts, die Tutorials erschlagen einen förmlich mit Informationen, die grafische Oberfläche ist simpel, dabei aber nichtsdestotrotz nicht immer ganz nachvollziehbar (zumindest für den Laien).

Selbstverständlich hat man die Möglichkeit, sein eigenes Deck zu bearbeiten und unterschiedliche Decks einzusetzen. Der Umfang hierbei ist unglaublich: mehr als 9000 Karten stehen zur Verfügung, um diese zu sammeln, muss man allerdings eine Menge Geduld aufbringen.

Fazit: als Kartenspiel mag Yu-Gi-Oh die Sammel-Leidenschaft wecken, das Spielprinzip ist sicherlich gefällig, aber es fehlt ein wenig die Ausgewogenheit. So haben wir bereits in der einfachsten Schwierigkeitsstufe mit dem zweiten Gegner eine ordentliche Nuss zu knacken, die uns mit jedem weiteren Versuch nur umso mehr frustriert. Da funktionieren Pokemon und Magic-The Gathering insgesamt besser. YU-GI-OH MILLENNIUM DUELS mag für Fans perfekt sein, für Quereinsteiger ist es einfach von Beginn an zu komplex und zu ungenau erklärt.

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