Electric Wizard – Time To Die (Spinefarm Records)

Electric Wizard Promo

Die legendären Electric Wizard melden sich nach vier Jahren zurück und liefern wiedermal eine lupenreine Doom Metal LP der erdrückenden Sorte. Zwar stehen Electric Wizard in einer Reihe mit den Vorreitern Black Sabbath und Pentagram, sowie den genialen Zeitgenossen von Sleep, aber trotzdem schaffen es die Wizards aus der Konkurrenz herauszuragen. Anders als die genannten Bands gönnen Electric Wizard den Zuhörern kaum eine Pause von ihrem wuchtigen Sound. Nur vereinzelt brechen Gitarrensoli oder Rhythmuswechsel die klaustrophobischen Songs. Bei Time to Die legen sich die Riffs wie eine bleischwere Decke über das langsam pulsierende Drumming und den monotonen Gesang. Falls der Zuhörer nicht eh schon eine Indica-Schwere hat, wird er von diesem Album unweigerlich ins Sofa gedrückt. Vom Gesamteindruck erinnert Time to Die stark an Dopethrone und Let us Prey, ist allerdings noch schwerer und schleppender als letztere. Die Rückkehr von Drummer Mark Greening trägt dabei am stärksten zum Retro-Feeling des Albums bei.

Gute Doom Alben sind ohnehin zeitlos – und genau das schaffen die Wizards mit der neuen LP. Die Produktion ist so Low-Fi, es ist schwer zu sagen ob das Album 1990 oder heute aufgenommen wurde. Es klingt als wäre die Produktion in einem Bretterverschlag im Wald durchgezogen worden. Trotzdem ist das Volume zeitgemäß und der Mix steinhart. Teilweise sind die Vocals von Jus Osborne nur bei genauem hinhören zu verstehen und oft sind sie geisterhaft verzerrt wahrnehmbar. Diese Okkulte Grundstimmung umrahmt das textliche Konzept des Albums.
Wie der Titel verrät geht es bei dieser Platte nur um ein Thema: den Tod. Wer nun aber an satanistische Lyrics oder comicartig überzogene Gewaltorgien in Textform denkt täuscht sich – Electric Wizard thematisieren den Tod subtiler. Als Aufhänger dient der Fall des realen Mörders Ricky Kasso. Der damals 17jährige „Acid King“ Kasso ermordete unter Drogeneinfluss 1984 einen Bekannten im Wald. Er folterte das Opfer und zwang ihn, seine Liebe zu Satan zu bekunden, bevor er ihn tötete. Im Gefängnis beging Kasso unter Anfeuerungsrufen der Mithäftlinge Selbstmord. Das Album verweist an vielen Punkten auf diesen Fall und schildert einige Einzelheiten bereits im Intro. Interessanterweise beginnt und endet das Album mit den Geräuschen von fließendem Wasser und bildet dadurch einen Kreislauf. Wasser ist eines der klassischen Symbole von Tod und Wiederauferstehung. In Time to Die ist der Tod beides: Ende und Anfang. Qual und Erlösung. Daher drehen sich die Texte um persönliche Dämonen: Depressionen, Selbstzweifel, Hass und Sadismus. Die Botschaft kommt an: Satan ist jeder von uns, der Tod ist Strafe und Ausweg zugleich. Die Songs konfrontieren den Zuhörer mit der eigenen Sterblichkeit und den eigenen Abgründen – es ist ein Album, das an einem nicht spurlos vorbeizieht.

Für Doom Fans ist dieser Brocken ein absolutes Muss und vermutlich das Highlight des Jahres. Für alle anderen kann sich das Reinhören sicher auch lohnen, besonders wenn man Bands wie Black Sabbath, Kyuss, Isis oder the Melvins mag.

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