Usnea – Random Cosmic Violence (Relapse Records)

randomcosmicviolence_1500

Wieder mal so ein Schreibauftrag. Usnea. Usnea? Nie gehört. Wikipedia verrät mir aber, dass Usnea eine Gattung von grauen bis grün gelblichen Baumflechten darstellt, die von Bäumen herabhängend wachsen. Flechten gehören zu den langlebigsten Lebewesen überhaupt auf unserem Planeten. Ein weiteres Merkmal dieser Gattung ist ihr langsames Wachstum. Ihr sehr langsames Wachstum. Wahrscheinlich ähnlich langsam wie einige Passagen auf dem neuen Album der Band Usnea, dass den Namen „Random Cosmic Violence“ trägt.

Damit haben die vier jungen US-Amerikaner aus Portland, Oregon nunmehr ihr zweites Album veröffentlicht. Ich jedenfalls habe keine Ahnung was mich erwartet und bin neugierig. Auf dem Album, welches mit über einer Stunde Spielzeit zu Buche schlägt, finden sich erstaunlicherweise nur vier Songs. Jeder davon ist etwa eine viertel Stunde lang. Jeder für sich ist ein kleines Kunstwerk, das eine Geschichte erzählt. Gemein ist den vier Songs allerdings die unmittelbar spürbare Bedrohlichkeit, die vermittelt wird. Eine wabernde Soundwand rollt langsam aber beständig auf einen zu. Hier und da reißt mich ein gellender Schrei aus meinem Unwohlsein und macht es für einen Moment lang greifbar. Nur um gleich wieder hinter einem Vorhang aus tiefen Gitarrenriffs zu verschwinden. Es fühlt sich stellenweise so an als stünde man in einem eingleisigen Eisenbahntunnel. Festgekettet an den Schienen kann man das Licht der Lok bereits sehen, die sich langsam aber beständig auf einen zubewegt. Flucht? Ausgeschlossen.

Nur an ganz wenigen Stellen kommen gezielt Soundsamples zum Einsatz, um gemeinsam mit den Instrumenten ein stimmiges Bild zu erschaffen. Genauso unverhofft wie diese Samples allerdings auftreten, verschwinden sie auch unbemerkt wieder, hinterlassen aber die zuvor erzeugte Stimmung.

An einer Stelle zeigt der Song „Random Cosmic Violence“ übrigens, dass die Jungs auch schnell können. Man hatte sich gerade an die langsame, fast schon esoterische Geschwindigkeit gewöhnt. Als es plötzlich gekonnt zur Sache geht. Ohne die zuvor aufgebaute Atmosphäre zunichte zu machen, rast der Song los. Wie auf einem Pferd, das plötzlich losgaloppiert und man sich nur in der Mähne festhalten kann. Einfach großartig.

In meinen Augen haben die Jungs hier großes geschaffen, denn je öfter ich die Scheibe durchlaufen lasse, desto mehr Dinge entdecke ich. Definitiv eine Scheibe, die man im Hirn kreisen lassen muss, wie einen guten Rotwein im Glas. Eine Scheibe, die aktives Zuhören zwingend erfordert. Definitiv aber keine Scheibe, die sich als stupide Hintergrundbeschallung eignet. Das hat das Album auch nicht verdient. Die musikalische Reise auf die man als Belohnung mitgenommen wird, bin ich in jedem Fall gerne angetreten. Eine Reise, die ich vorbehaltlos empfehlen kann.

Scheibeninfos:
Titel: Random Cosmic Violence
Label: Relapse Records
VÖ-Datum: 07.11.2014

1. Lying in ruin (12:23)
2. Healing through Death (14:19)
3. Random Cosmic Violence (14:43)
4. Deritus (15:46)
Gesamtspielzeit: 57:11

Homepage: http://www.usneadoom.com/
Facebook: https://www.facebook.com/usneadoom
Bandcamp: http://usneadoom.bandcamp.com

Schreibe einen Kommentar