Fargo – Season 1 (Twentieth Century Fox Home Entertainment)

fargo_season_1Wer den Original-Film Fargo von den Cohen-Brüdern nicht kennt, der sollte diese Wissenslücke unbedingt schließen. Nicht zwingend, bevor man sich die Serie FARGO anschaut, aber wenn man weiß, worauf diese beruht, macht es gleich doppelt so viel Spaß. Ethan und Joel Coen sind hier übrigens nicht Feder führend, sondern haben lediglich „Pate gestanden“. Die Idee für die Serie stammt von Noah Hawley, und der hat ziemlich gut verstanden, ein SpinOff zum Film zu schreiben, das den tiefschwarzen Humor der Vorlage sehr gut einfängt. Aber ganz egal, wie gut dieses Drehbuch auch sein mag, erst durch die Besetzung wird den Figuren echtes Leben eingehaucht, und hier hat man mit Martin Freeman und Billy Bob Thornton gleich zweimal voll ins Schwarze getroffen. Besser hätten die beiden Hauptrollen wohl kaum besetzt werden können.
Die Serie spielt in der kleinen Stadt Bemidji in Minnesota. Hier hat Lorne Malvo (Billy Bob Thornton) einen Wildunfall mit einem Reh. Während er sich noch das Blut von der Stirn wischt, klappt sein Kofferraumdeckel auf, und ein fast nackter Mann springt daraus hervor, schaut sich gehetzt um und rennt in die eiskalte Nacht hinein, wo er dann auch schon bald sein Ende findet. Wer wie wo was? Das wird alles nicht erklärt, interessiert aber auch nicht wirklich, denn es dient nur als Erklärung, warum ein Mann wie Malvo in dieser Stadt verweilt.
Wie es der Zufall so will, trifft Malvo in der Notaufnahme auf einen Mann namens Lester Nygaard, ein eher erfolgloser Versicherungsvertreter, der von seiner Frau stetig zu hören bekommt, dass sein jüngerer Bruder eigentlich die deutlich bessere Partie gewesen wäre, der von seinem ehemaligen Mitschüler Hess auch nach so vielen Jahren immer noch gehänselt wird, und der durch all diese Dinge ein äußerst geringes Selbstwertgefühl hat. Die beiden kommen ins Gespräch, das irgendwie einen merkwürdigen Verlauf nimmt, und letzten Endes offeriert Malvo Nygaard, dass er sich des Problems seines alten Mitschülers annehmen könne… Wenig später wird Hess tot aufgefunden, was eine Kette von weiteren tragischen Ereignissen nach sich zieht…
Ich könnte mir stundenlang, in Endlosschleife meinetwegen, die einzelnen Szenen mit Billy Bob Thornton anschauen. Die Art und Weise, wie er den völlig emotionslosen Malvo spielt, der mit jeder einzelnen Silbe, die er von sich gibt, Ironie und Sarkasmus definiert, ist einfach brillant und kann mit ziemlicher Sicherheit nicht besser gemacht werden. Martin Freeman steht dem nur ganz leicht nach, aber auch das, was er da leistet, kann durchaus als grandios gewertet werden. Diese beiden tragen die Serie schon komplett allein, ohne dass man sich dazu noch ein sehr gutes Drehbuch und tolle Besetzungen in den weiteren Rollen dazudenken muss (die aber alle durchaus präsent sind). Wer auf den Film Fargo steht, der wird auch die Serie FARGO lieben. Erfreulicher Weise ist die in sich abgeschlossene Handlung in zehn Folgen um eine zweite Staffel verlängert worden, die zu einem anderen Zeitpunkt und mit anderen Hauptfiguren spielen wird, jedoch auch weiterhin lockeren Bezug zu der ersten Staffel haben wird. Ich war wirklich skeptisch, was diese Serie betrifft, denn meiner Ansicht nach ist es schwer, wenn nicht sogar unmöglich gewesen, aus dem Film Fargo eine SpinOff-Serie zu gestalten, die auch nur im Ansatz der Vorlage gerecht werden kann. Noah Hawley hat mich eines Besseren belehrt, ich habe mich klar getäuscht. Uneingeschränkt empfehlenswert, es sei denn, man hat Probleme mit den durchaus blutigen Szenen, die die Freigabe ab 16 fast schon etwas niedrig angesetzt wirken lassen.

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