Rückblick: Culture Shock Festival 2015

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Am 16. und 17. Oktober 2015 fand zum zweiten mal das Culture Shock Festival in Jena statt. Dieses Jahr spielten 14 Bands, sechs am Freitag und acht am Samstag. Auch im letzten Jahr kam das Festival sehr gut an und hat viele Leute nach Jena gezogen, um zwei Tage lang zu feiern. Dieses Jahr wurde vorher ein Youtube-Clip und ein kurzer Trailer als Werbung gedreht und es wurden einige Flyer unter die Leute gebracht. Damit war die Vorbereitung wieder perfekt. Um 19 Uhr sollte das kleine Festival im Kulturbahnhof (alter Saalbahnhof) beginnen, doch leider kam es schon am Anfang zu einer Verschiebung, aufgrund von Verspätung des Schlagzeugers von VLADA INA.

Aber das stellte kein größeres Problem da, denn die Jenaer Band EMBRACE THE EVIDENCE stand bereits in den Startlöchern und ging somit als Opener auf die Bühne. Typischerweise war es noch recht leer aber die Metalcore-Fans durften sich somit bereits ordentlich austoben. Mit harten Riffs und viel Melodie wussten sie die Besucher in Stimmung für den Abend zu bringen. Leider gaben sie am Ende ihres Auftritts ihre Auflösung bekannt. Nach einer kurzen Pause spielten dann VLADA INA aus „out of space“. Die Thüringer waren trotz Verspätung und technischen Problemen gut gelaunt und offen für das Publikum. So sprang der Sänger öfter von der Bühne und brachte Euphorie und Energie rüber. Die Modern Hardcorer haben sich übrigens nach einer Stadt aus Pokemon benannt. Mich hat die Performance etwas an RAGE AGAINST THE MACHINE erinnert, was ich als gelungene Abwechslung in Hinsicht auf die kommenden Metalcorebands empfand. Denn danach folgten HUMAN FALL aus Dresden, welche mit heftigen Breakdowns und kräftigen Gescreame nicht nur gegen Rassismus in jeglicher Form aufriefen, sondern auch die letzten Gäste langsam vor die Bühne zogen. Der Sänger zeigte sich stimmlich sehr flexibel und auch die Lyrics waren sehr tiefgründig.

Auch die darauf folgende Band APOA war aus Dresden. Diese wusste es Abwechslung in den Abend zu bringen. Mit instrumentalem Post Rock/Post Metal war nun der Raum vor der Bühne endgültig gefüllt und das Publikum wurde von einem verträumten Zusammenspiel aus intensiven Melodien und einer passenden Lichtshow in den Bann gezogen. Es war als wäre man plötzlich in einer anderen Welt versunken und nur die Pause zwischen den Songs rissen aus der Trance. APOA überzeugte mit Härte und weichen, sanften Tönen. Die drei Jungs haben auf jeden Fall bewiesen, dass es keinen Gesang braucht um Emotionen perfekt zu verpacken. Für mich war es das erste große Erlebnis des Abends. Danach folgte auch schon die vorletzte Band der Freitagnacht. MILES & FEET aus Leipzig sprachen sich für die Flüchtlingshilfe aus und riefen dazu auf Sachen an Spendenständen abzugeben. Mit Melodic Hardcore/Punk ließen sie die Menge headbangen und rumspringen. Expressive Screams wurden von melodischen Gitarren untermalt und das Schlagzeug gab den typischen Punkrhythmus vor.

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Es folgte der Headliner – DECEMBRE NOIR. AMORPHIS ähnlicher Melodic Death/Doom Metal erfüllte den Raum und brachte den erhofften, großartigen Abschluss des ersten Tages. Die Erfurter legten eine härte an den Tag, welche den nicht Hardcore-Fans gefehlt hat und überzeugten durch ihre Erfahrung und Leistung. Schwere tragende Riffs werden mit tiefen Growls und eingängigen Melodien gemischt. Wer danach noch nicht nach Hause wollte konnte noch einige Zeit mit den Bands bei einem Bier verbringen. Gegen 2.30 Uhr war der erste Tag also zu Ende. Um 17 Uhr ging es am Samstag aber auch schon weiter. Die Bands zogen hier mehr Leute an und schon bei der ersten Band AYON war der Konzertraum ordentlich gefüllt. So startete der Melodic Death Metal Tag gleich mit dem richtigen Auftakt. Die Mischung aus klarem Gesang und Growls, sowie starken Riffs und eine donnernden Double-Bass bereiteten angemessen auf die folgenden Stunden vor.

Weiter ging es mit INFECTED AUTHORITAH und Melodischen Progressiv Thrash Metal. Wer erst verwundert war über den Sänger im Sakko, wurde kurz danach von dessen herausragenden Screams und den Growls der Bassistin zum Schwitzen gebracht. Doch nicht nur das Publikum hatte hier mehr als einfach nur Spaß, auch die Band zeigte auf der Bühne wie gerne sie im Rampenlicht stehen und verbreiteten gute Laune. Für Langweile war hier keine Zeit. Danach spielten HULDREN aus Berlin. Hier gab es klaren Gesang am Mikrofon von einer Sängerin und dazu melodische Klänge, welche durch den sirenenhaften Schall und die Bewegungen der Frontfrau leicht orientalisch wirkten. Damit wurde eine besondere Atmosphäre geschaffen. Aber keine so außergewöhnliche, wie bei SAECULUM OBSCURUM. Diese waren fast komplett in schwarzen Sachen vermummt und wie Leichen angemalt. Zu einer eingespielten Rede betraten sie nacheinander die mit Schwarzlicht verdunkelte Bühne und lieferten eine interessante sowie abwechslungsreiche Show ab. Wie skurril dies wirkte war den Münchenern auch bewusst, aber grade dies unterstreicht ihre Texte und Aussagen.

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Zum Konzept der Anonymität gehört auch, dass sie Kontakt mit dem Publikum auf der Bühne vermeiden und so verließen sie ohne große Worte die Stage. Die düster, melancholische Stimmung wurde gleich darauf mit einem Schlag durch TRAITOR vertrieben. Die Thrash Metaller aus Balingen schafften es die ersten Reihen in eine headbangende Masse zu verwandeln und begeisterten auf ganzer Ebene. Besonders ist an dieser Band vor allem, dass der Schlagzeuger auch der Hauptsänger ist. So floss nicht nur bei den Musikern der Schweiß – die ganze Halle war mittlerweile so voll, dass bald tropische Temperaturen herrschten. Sie spielten einige Songs von ihrem neuen Album „Venomizer“ und ließen ein glückliches Publikum zurück. Mit DUBIOSIS folgten nun die Melodic Death Metal Bands, welche den Abend ausklingen lassen sollten. Eine qualitative Steigerung war auf jeden Fall erkennbar, beruht aber auch auf der Erfahrung der jeweiligen Gruppe. DUBIOSIS haben deutsche Lyrics und einige Power auf die Stage gebracht. Durch ZERO DEGREE wurde die gute Laune noch verstärkt und jeder Melodicfan kam auf seinen Geschmack.DSC03333

Die Jungs erinnerten an das alte IN FLAMES und ließen niemanden mehr ruhig stehen. Die Besucher waren so begeistert, dass sie auch bei PATH OF DESTINY keine Müdigkeit vorschöpften. Diese spielten viele ihrer bekannten Songs und lieferten wie immer eine mitreißende Bühnenshow. Das gesamte Festival war somit zu Ende. Zusammenfassend waren zwar weniger Besucher als im letzten Jahr da, aber die Organisation war wieder super. Natürlich kam es zu einigen zeitlichen Verschiebungen aber das war kein Problem für die Bands und deren Fans. Auch im nächsten Jahr wird das Culture Shock Festival wieder statt finden und wieder neue Bands nach Jena bringen. Dort wird es wohl auch mehr Pagan/Folk geben, ähnlich wie im letzten Jahr. Auch die Garderobe und das Catering waren super. „Da gab´s ne bomben Lauchsuppe! Die war echt geil!“, sagte der Bassist von TRAITOR. Für hungrige Gäste gab es vor dem Gebäude einen typisch thüringischen Bratwurststand (aber auch leckeres Essen für Vegetarier). So waren auch die Toiletten in diesem Jahr endlich getrennt und nicht mehr unisex. Es gab auch richtige Stoffbändchen und schicke T-Shirts mit einem coolen Motiv. Man bemerkt also schnell, dass Kritik hier auch Anklang findet. Damit kann man nur davon ausgehen, dass das nächste Culture Shock Festival noch mehr bieten und somit noch mehr Bands und Besucher anziehen wird. Ich freu mich drauf! Die beigefügten Fotos sind von der Fotografin Lisa Winkler aus Jena.

 

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