Rückblick: Slothfest im B58 31.10.2015

Slothfest B58 Flyer

Manchmal ist es ja so. Man zieht los, ohne große Erwartungen. So eher spontan. Wird sicher ganz nett, denkt man und besser als einfach nur rumzuhängen ist es allemal. Genau mit diesen Gedanken hab ich mich am 31.10.2015 auf nach Braunschweig gemacht, um dem Slothfest im B58 einen Besuch abzustatten. Und wenn das Ganze dann noch für einen guten Zweck ist. Hey! Geschenkt! Da bin ich dabei. Soviel vorweg. Es war der Oberburner. Aber der Reihe nach.

Auf Messers Schneide

Patrick, einer der beiden Gitarreros von Forever it Shall Be hat zusammen mit seinen Buddies vom Hotel 666, von Spreadmusic e.V. und von Crossover Entertainment in den letzten vier Monaten so einiges auf die Beine gestellt. Mit dem Salzgitter Forellenhof wurde eine TopVenue gesichert, 12 Bands an den Start geholt, Sponsorengespräche geführt und so einiges anderes an organisatorischen Dingen geregelt, von denen der Gast vor der Bühne wenig mitbekommt. Nur wenige Tage vor dem Konzert dann der Rückschlag. Der Forellenhof wurde (verständlicherweise) als Flüchtlingsunterkunft deklariert und das Slothfest mit all seinen Vorbereitungen drohte ins Wasser zu fallen. In letzter Sekunde quasi sprang ein einschlägig bekannter und überaus behänder LiveSchuppen in Braunschweig namens B58 zur Seite und die Veranstaltung war gerettet.

Dosenfutter für die Tafel

Die ganze Veranstaltung diente zwei guten Zwecken. Zum einen war jeder Gast aufgefordert Konservendosen mitzubringen. Diese wurden für Die Tafel in Salzgitter gesammelt und sollen Bedürftigen in der kalten Jahreszeit den Magen füllen. Für das Engagement der Gäste wurde der Eintrittspreis von läppischen 12 Euro (für die Mathe Nerds unter Euch: je Band
1 Euro) auf einen fluffigen Zehner gesenkt. Und da kommt auch schon der zweite gute Zweck des Abends ins Spiel. Denn jeder gewonnene Euro geht zu gleichen Teilen an Die Tafel in Salzgitter und an das Bündnis gegen Gewalt und Fremdenfeindlichkeit Salzgitter. Für mich gehört es sich daher, trotz mitgebrachter Dosen den höheren Eintrittspreis zu löhnen. Das hat meinem Karma offensichtlich gut getan, denn es bedankte sich mit einem endgeilen Tag im B58.

Der frühe Vogel kriegt aufs Maul

Los ging es schon um 14.00 Uhr und Coreless versuchte die ersten Besucher von sich zu überzeugen. Bei mir wippte definitiv der Fuß und ich wurde gebührend auf den restlichen Tag eingestimmt.
Zeit zu bluten! So kann man es sagen, denn Time to Bleed machten keine Gefangenen, griffen ganz tief in die Growlkiste und überzeugten von der ersten Minute. Mich jedenfalls.
Angst vor Wasser hatten Hydrophobic sicher nicht, denn die Bengels wirkten zumindest vor Ihrem Auftritt noch frisch geduscht. Genauso wehte dann auch eine frische Deathcore-Brise durchs B58. Die obligatorischen Breakdowns durften natürlich nicht fehlen, wurden aber mit Bedacht eingesetzt und so kam zumindest bei mir keine Langeweile auf.
Weniger frisch wirkten dann Shot Done Won mit Ersatzgitarrist unterwegs. Musikalisch sicherlich top, es wurde auch gekonnt geshoutet. Allerdings wiederholten sich die Motive der Riffs, die Shouts wirkten schnell abgegriffen und mir persönlich war der Stil einfach zu monoton. Aber Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden.
Alles andere als lustig ging es dann aber bei Peter und die Unheimlichen weiter. Ich muss sagen, die Bengels kamen mir unheimlich bekannt vor und die Besetzung liest sich wie das Tagebuch meiner Albträume. Namentlich Peter Grusel, Peter Grusel, Peter Grusel, Peter Grusel und Peter Grusel. Scheinen Geschwister zu sein, die Mädels. Die Verwandschaftsgrade sollen hier aber nicht weiter interessieren, denn die Jungs räumten bei ihrem zweiten (!) Gig der Bandgeschichte ordentlich ab und brachten rollenderweise Bewegung in die Hälse des Publikums.

Volle Möhre bis in den Abend

Led Astray aus Dresden mit ihrem Modern Death Metal hatten durch Peter Grusel und die Unheimlichen eine hohe Latte zu überspringen. Ausgerüstet mit zwei Sängern und Corepse-Paint ergab es Sinn, eine Sporthose dabei zu haben. Denn das Publikum im Pit wechselte vollständig und der Männerturnverein gab sich die Ehre. Weniger Matteschütteln war also angesagt, sondern zeigen, was man im Grundschulsportunterricht so gelernt hat. Aber auch, wenn die sich Mühe gegeben und sich die Seele aus dem Leib gebrüllt haben, der Vorsprung von den fünf gruseligen Peters war zumindest aus meiner Sicht uneinholbar.

Den Tag erst nach dem Abend loben

So wie der Nachmittag aufgehört hat, ging der Abend übrigens weiter. Beneath the Dying Sky aus dem schönen Thüringen überzeugten mit Ihrem Melodien a la Heaven Shall Burn genauso wie die Bengels von stark vor wie die fünf Augsburger von Deadfreight of Soul mit Ihrer modernen Interpretation von Death Metal.
Die Lokalmatadoren von Scarnival boten den Zuschauern eine solide Metalshow. Dass die Jungs ein musikalisch supererfolgreiches 2015 hinter sich haben spürt man jedenfalls sofort. So richtig Bock hatten auch WeAreWolf, deren neue Scheibe „Oklahoma“ in den Startlöchern steht und bei dem einen oder anderen auch unter dem Weihnachtsbaum liegen sollte.
Aber auch bei Forever it Shall Be wurde nicht nur mit der Trommel um den Tannenbaum gelaufen. Im Gegenteil. Jeder, der sich bewegen konnte, tat das und alle feierten mit den Jungs eine großartige Show. Nicht zuletzt, zollte das Publikum damit Patrick einen großen und mehr als verdienten Tribut.
Die letzte Band Soul Demise konnte ich zwar leider nicht mehr mit verfolgen, ich habe aber meinen Außenreporter mal befragt. Der hat mir auch prompt ein knackiges Statement zu Soul Demise in die Feder diktiert. „Geiler Scheiss! Die Jungs haben mir an diesem Abend noch mal so richtig den Rest gegeben.“

Superzufriedenes Gesamtfazit

Der Spielplan wurde auf die Minute eingehalten, der Sound wirklich tippitoppi abgemischt und auch ohne Ohropax gut auszuhalten. Die Bands waren allesamt auf hohem Niveau unterwegs. Das Publikum ging ab wie Schmidts Katze, moshte, bangte und feierte was das Zeug hält. Was kann da geiler sein als die Gewissheit, dass Patrick auch für 2016 wieder nen tollen Tag für den geneigten Musikliebhaber zusammenschraubt?
Ach ja, da war ja auch noch ein guter Zweck! Insgesamt haben es 180 zahlende Gäste zusammen mit den Bands und Sponsoren geschafft, nach Abzug aller Fixkosten eine schmackhafte Summe von 1500 € für das Bündnis gegen Gewalt und Fremdenfeindlichkeit Salzgitter und die Tafeln in Salzgitter zusammen zu bekommen. Beim Zählen der Konservendosen verzählte man sich ungezählte Male – daher nur so viel: Den Tafeln Salzgitter konnten unzählige Dosen überreicht werden.

P.S. Ein dicker Dank geht im Übrigen an den Fotografen Frank Tobian, der ohne mit der Wimper zu zucken, seine Bilder für die Galerie zur Verfügung gestellt hat. Frank, das ist ganz großes Kino, Danke dafür!

Facebookseite der Veranstaltung:
Slothfest
Facebookseiten der Bands:
Coreless
Time to Bleed
Hydrophobic
Shot Done Won
Peter Grusel und die Unheimlichen
Led Astray
Beneath the Dying Sky
Deadfreight of Soul
Scarnival
WeAreWolf
Forever it Shall Be
Soul Demise
Bilder von:
Frank Tobian Photography Facebook

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