Unru – Als Tier ist der Mensch nichts (Supreme Chaos Records)

Unru -Als Tier ist der Mensch nichtsJenga! Am Anfang hat alles seine Ordnung. Der Turm steht. Stein auf Stein. Je weiter das Spiel allerdings voranschreitet desto größer das drohende Ungemach. O weia. Und das Ende erst! Verloren hat derjenige, der den Turm zum Einstürzen bringt. Selbstverschuldetes Chaos zu vermeiden ist also das Ziel des Spiels. Gleichzeitig muss man aber auch dafür sorgen, dass möglichst beim nächsten Spielzug ein Mitspieler für das Zusammenstürzen des Turms verantwortlich ist.
Unru haben mit ihrem ersten Album Als Tier ist der Mensch nichts eine Art musikalisches Jenga kreiert. Wohl sortiert zu Beginn, voll nahezu preußischer Ordnung. Einzig, um wenige Minuten später alles einzureißen, alles zu zertrümmern. Wer ist schuld und viel wichtiger, wird der Turm je wieder errichtet?

Unru mögen es monoton und gleichzeitig rasend. Die stramm gespannte Snare frisst sich in den Gehörgang. Martialisch hallend schiebt sich ein Schrei nach dem anderen in den Vordergrund, nur um erneut von Snare und wütenden Becken in den Hintergrund gedrängt zu werden. Ein scheinbar chaotisches Auf und Ab verlangen dem Hörer einiges ab. Filigrane Gitarrenläufe fräsen sich in den Fokus und machen den präzisen Drums den Platz streitig. So jedenfalls empfinde ich den fast dreizehnminütigen Song Das Anna-Karenina-Prinzip.

Vielschichtiges Chaos – nur mit Geduld zu entwirren

Auch die übrigen drei Songs von Als Tier ist der Mensch nichts machen keine Ausnahme, wenngleich sie sowohl in Heftigkeit als auch in der Vehemenz des Chaos unterscheiden. Wer aufgepasst hat, wird gemerkt haben, dass Unru auf ihrem ersten Album nur vier Songs zu finden sind. Das macht aus meiner Sicht allerdings nichts. Das hat zwei einfache Gründe. Zum einen weil man trotzdem auf 36 Minuten kommt. Zum anderen aber, weil Unru definitiv etwas für einen stillen und offenen Moment produziert haben. Wahllos konsumieren von Als Tier ist der Mensch nichts führt definitiv zu nichts. Mich jedenfalls würde das heillos überfordern, weil das Album nämlich nur beim ersten Anspielen chaotisch wirkt. Diese nagende Unordnung verfliegt aber, wenn man sich unvoreingenommen zurücklehnt und die eng ineinander verwobenen Ebenen erkennt, auseinanderbricht und neu zusammenfügt. Erst dann, so geht es jedenfalls mir, bekommt man einen Zugang zu der Scheibe.

Am Ende steht der Turm wieder

Ich will in meinem Review gar nicht so sehr auf die Genres eingehen, derer sich Unru bedienen. Ganz einfach, weil ich damit nur falsch liegen kann. Hier kommen zahlreiche Einflüsse zusammen, Unru lassen Genregrenzen spielerlisch und mit einer konsequenten Ignoranz verschwimmen. Mit Als Tier ist der Mensch nichts holt man sich also ein Werk ins Haus, das einen fordert: mental aber auch zeitlich, denn mit einem Durchlauf ist es nicht getan. So geht es jedenfalls mir und so kann ich auch nur meinen ersten Eindruck und mein Bauchgefühl zu der Scheibe kundtun. Ja, das Teil klingt, es funktioniert, das Chaos sortiert sich scheinbar von selbst, je öfter man rein hört und ich bin sicher, dass nach einigen weiteren Durchläufen der Turm am Ende wieder stehen wird. Bereit, erneut eingerissen zu werden.

Scheibeninfos:
Band: Unru
Titel: Als Tier ist der Mensch nichts
Label: Supreme Chaos Records
Releasedate: 25. März 2016

Trackliste:
1. Zerfall & Manifest (6:44)
2. Das Anna-Karenina-Prinzip (12:41)
3. Hedonee (10:05)
4. Totemiker (6:42)
Gesamtspielzeit: 36:12

Facebook: www.facebook.com/unruband
Bandcamp: unru.bandcamp.com

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