Graves at Sea – The Curse That Is (Relapse Records)

The Curse That IsEs dröhnt. Fast eine Minute lang. Schnell ist klar, das sind fette Amps. Noch schneller wird klar, dass man hier mit ganz feiner Musik zu tun hat. Graves at Sea sind definitiv anders und eigenständig. Mit The Curse That Is präsentieren die vier Amis ihr erstes Full-Length und das nach einer bewegten 13-jährigen Bandgeschichte. Was bekommt man? Einen sludgigen Doom-Mix, samt mit tiefhängenden Gitarren und leicht sägendem Gesang, der mitnimmt und zumindest mich durch seine Fremdartigkeit überzeugt.

Raus aus der Komfortzone. Auch mal etwas auschecken, was man nicht kennt. Neue Eindrücke gewinnen, Erfahrungen sammeln und daran wachsen. Deshalb habe ich The Curse That Is aus unserem Promopool gewählt. Eine guuuute Wahl, wie sich nach drei- bis viermaligem Durchlauf des sage und schreibe 1 Stunde und 16 Minuten langen Teil.

Mit mittlerer Geschwindigkeit ins Ohr

Schnell sind die Jungs von Graves At Sea nicht. Wer hier einen BPM-Rekord wird zumindest von der tatsächlichen Geschwindigkeit des Albums enttäuscht sein. Es ist aber auch nicht so, dass wir einen Saitenanschlag pro Minute haben. Das Album The Curse That Is bewegt sich in einem angenehm zu verfolgenden Geschwindigkeitsbereich. Dennoch setzt das Ami-Quartett auf Monotonie. Diese führt allerdings nicht zu Langeweile, im Gegenteil. Diese Monotonie und immer wiederkehrende Motive führen zuverlässig zu einer schmutzigen Doom-Architektur, die mir große Freude bereitet. Fast Lavalampenartig kriecht der schmutzige Sound durch den Raum und nimmt ihn ein. Ganz und vollständig. Platz für andere Dinge bleibt nicht und so kriecht ein Song nach dem anderen ins Ohr und macht es sich in der Hörmuschel gemütlich.

Jahrelanges Feilen an Musik und Text

Ich habe mich nach dem ersten Durchlauf der Scheibe gefragt, warum sich die Songs scheinbar so wenig ähneln und sich kein Konzept bemerkbar macht. Die Promo-Infos haben es mir dann allerdings verraten. Graves at Sea haben sich mit ihrem ersten Album nämlich Zeit gelassen. Fast zehn Jahre nämlich. Da kann man schon mal den roten Faden verlieren, sollte dort jemals einer existiert haben. Insgesamt tut das der Qualität des Albums aber keinen Abbruch. Die Songs selbst sind angenehm durchkomponiert, ohne Überraschung zwar, aber doch mit Herz. An der einen oder anderen Stelle kommen Streicher zum Einsatz, die die Stimmung aufgreifen, verstärken und verdichten.
Was die Texte anbelangt. Alter. Da komme ich tatsächlich an den meisten Stellen nicht mehr mit. Vollständige Sätze sucht man vergebens, es sind eher Wortfetzen, kryptisch zumeist und ich vermute auch deswegen, damit sie zum Takt passen. Das macht Textarbeit dann natürlich zu einer zeitintensiven Angelegenheit, wenn man den Drang hat hinter die Bedeutung der einzelnen Songs zu kommen. Einzig Waco 177 macht für mich in Gänze Sinn. Der Song erzählt von Machtmissbrauch und Polizeigewalt gegen Motorradfahrer, die sich im Mai 2015 in Waco, Texas getroffen haben. Zunächst von der Polizei beobachtet endet der Tag mit neun Toten und 177 inhaftierten Bikern.
Mein Highlight der Scheibe ist übrigens The Ashes Made Her Beautiful. Eine gigantische Soundwand türmen die vier Amis hier auf, die mich in Ihren Bann zieht. Selbst wenn ich leider vom Text maximal die Hälfte verstehe, umschlingt mich der 15-minütige Song und nimmt mich mit. Traumhaftes Ding.
Insgesamt ist The Curse That Is kein einfaches Album. Es erfordert Zeit und Muße sich den Klängen zu widmen. Die Songstruktur ergibt sich nämlich erst dann, wenn man alle Motive wie in einem Puzzle zusammensetzt. Hat man das allerdings geschafft, entfaltet The Curse That Is erst seine volle Pracht.

Scheibeninfos:
Band: Graves at Seat
Titel: The Curse That Is
Label: Relapse Records
Releasedate: 1. April 2016

Trackliste:
1. The Curse That Is (11:14)
2. Dead Eyes (11:08)
3. Tempest (7:03)
4. The Ashes Made Her Beautiful (15:15)
5. The Mental Sentence (5:00)
6. Waco 177 (9:22)
7. Luna Lupus Venator (2:53)
8. Minimum Slave (14:19)
Gesamtspielzeit: 1:16:14

Facebook: facebook.com/GravesAtSea/
Bandcamp: gravesatsea.bandcamp.com/

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